Mit 13 stand sie zum ersten Mal für den ARD-Mehrteiler "Rote Erde" vor der Kamera, bekannt wurde sie Mitte der 1990er-Jahre mit "Verbotene Liebe". Seitdem wirkte Valerie Niehaus in über 80 TV-Produktionen mit. Jetzt ermittelt sie wieder als Rechtsmedizinerin Dr. Katrin Stoll in neuen Folgen der Spezialeinheit für unaufgeklärte Verbrechen aus der Vergangenheit.

"Die Spezialisten" kommen mit 25 neuen Folgen: Worauf können sich die Zuschauer freuen?

Wer sich für die jüngere deutsche Geschichte interessiert, ist bei uns gut aufgehoben. Wir binden jeden Fall, jede Opfergeschichte, in einen historischen Moment ein. Kriminalisten, Rechtsmediziner und Kriminaltechniker arbeiten gemeinsam an der Lösung sogenannter "Cold Cases". Zum Auftakt führen die Ermittlungen in die Geschehnisse rund um den Arbeiteraufstand des 17. Juni 1953. Weitere Themen sind die Homosexuellenbewegung Anfang der 1980er Jahre oder der Hauptstadtumzug von Bonn nach Berlin. Aber auch mit gebunkertem Nazi-Vermögen, den Auswirkungen des Vietnamkrieges oder den Machenschaften der DDR-Staatssicherheit muss sich das Ermittler-Team beschäftigen.

Das klingt nach Bildungsfernsehen ...

Wir bemühen uns schon um gesellschaftliche Relevanz, aber es ist Fiktion, kein Bildungsfernsehen. Auch die hochkarätig besetzten Episodenrollen lohnen das Einschalten. Ob Heinz Hoenig, Charlotte Schwab oder Christian Wolf, sie alle kommen gerne zu uns. Wichtig für die Fans der Serie: Die neuen Folgen halten natürlich auch ganz neue persönliche Herausforderungen für die Rechtsmedizinerin Dr. Katrin Stoll und Hauptkommissar Mertens bereit.

Was war ausschlaggebend, der Rolle der Dr. Katrin Stoll den Zuschlag zu geben?

Ich mache TV aus tiefster Überzeugung. Wenn die Zuschauer mir abends im Fernsehen zuschauen, schenken sie mir ihre Aufmerksamkeit und das – anders als im Kino – in ihrem ganz privaten Umfeld. Das weiß ich zu schätzen, das ist meine Motivation. Es ist eine schöne Hauptrolle, in der bis hin zum persönlichen Drama alles drin ist, eine schauspielerische Herausforderung.

Wie tickt Dr. Katrin Stoll?

Sie ist vor allem ein einsamer Mensch. Aber sie hat den Platz im Leben für sich gefunden, nimmt trotz des ungeklärten Todes ihres Bruders keine Opferhaltung ein. Vermutlich kann sie mit Leichen besser umgehen als mit Menschen. Wäre ich ihre beste Freundin, würde ich ihr raten, sich den Dämonen, die sie bedrücken, zu stellen.

Wie schaffen Sie den Spagat abseits der Rollen: einerseits im Gespräch bleiben, andererseits das Recht aufs Privatleben?

Wenn ich privat abschalte, schalte ich ab. Nicht nur TV und Computer, auch das Smartphone. Um Social Media mache ich einen Bogen – selbst wenn ich bei Produzenten, die nach "Likes" besetzen, dafür einen hohen Preis bezahle. "Always on", das macht auf Dauer krank. Wie viel Zeit bleibt uns denn dann noch für die Realität, für lange Spaziergänge, Bücher oder Reisen? Schaut nicht aufs Smartphone, lasst uns lieber in die Augen sehen!