Dass es am Bodensee Hopfenbauern gibt, wussten viele wohl bisher nicht. Doch dank des neuen Krimis "Die vierte Frau" aus der ZDF/ORF-Reihe "Die Toten vom Bodensee" erfahren wir es: Hoch droben hängt im Hopfengarten eine zum Engel drapierte Leiche zwischen den Dolden – eine Frauenleiche, wohlgemerkt.

Es scheint, als hätte ein seit langem gesuchter Serienmöder wieder zugeschlagen. Schon drei Leichen gab es – alle Jahre wieder zur Hopfenreife. Da heißt es flugs ermitteln fürs Kriminalistenpärchen Zeiler (Nora Waldstätten) und Oberländer (Matthias Koeberlin) aus Lindau und Bregenz – zumal zu allem Unglück auch noch eine weitere Frau vermisst wird. Ein Wettlauf gegen die Zeit. Sonst hätte man bald eine fünfte Tote.

Mit dem Wettlauf gegen die Zeit wird es erst mal nichts. Oberländer, der mit dem Mann der Vermissten befreundet ist, glaubt ja stark daran, dass auch sie bereits gemeuchelt wurde – sei es nach Art der vorherigen drei, nämlich mittels Kehlendurchschnitt und anchließender Kopfrasur, oder eben ein wenig anders, wie der Engel im Hopfenbaum. Selbst der übliche Stacheldraht ist diesmal falsch um die Leiche herumgewickelt. Man muss wissen, dass die seriell Getöteten vor dem Mord ein paar Tage lang festgehalten und gequält worden waren.

Da ist viel Stoff zu rekapitulieren. Die Bregenzer Kommissarin Hannah Zeiler macht das, wenn man so will, geschickt mitsamt ihrer versteinerten Miene. Sie bringt die Fakten immer genauso rüber wie die Spitzen gegen ihren Lindauer Kollegen Micha Oberländer, der diesmal besonders viel am Hals hat. Nicht nur, weil er mit dem Ehemann der Verschwundenen befreundet war, sondern auch, weil es mannigfache Probleme zu Hause gibt: Erstens hängt der Haussegen schief, und zweitens planen die Schwiegereltern unter Anerbietung freundlicher Kinderpflege ins gemeinsame Haus einzuziehen – wie schön.

All das ist nicht gerade das, was einem Krimi zu besonderer Spannung verhilft. Zu allem Unglück mischt ja auch noch der Herr Oberinspektor Komlatschek aus Lindau mit. Harry Prinz spielt den Ungustl mit allen ihm auferlegten Stereotypen gewissermaßen vom Blatt. Er lässt kaum eine Gelegenheit aus, um mit der Ablösung durch seine hauseigene Serienmord-SOKO zu drohen, weil er doch ohnehin alles besser weiß. Höchste Zeit also für ein wenig belebende Action: Ein Motorboot braust über den Bodensee und tötet einen Schwimmer im Neoprendress – Erwin Falkner, Kesselwart und Lastwagenfahrer beim Bierbrauer Täublin (Gregor Bloéb). Alsbald verraten allerlei Indizien Falkner als Serienmörder, zumal auch im letzten Fall. Eine unsägliche Rachegeschichte (Buch: Timo Berndt) steckt überdies hinter den früheren Morden: Falkner wollte sich offensichtlich an jenen Damen rächen, die ihn nach dem Betrachten eines Pornohefts in unappetitlicher Stellung aus seinem Lkw im Straßengraben zogen.

Sehr bald wird klar, dass sich ein Trittbrettfahrer an den Missetäter hängte, um von sich selber abzulenken. Aber was hatte der zweite Täter im Schilde geführt? Die zwischen Hopfenbauern, Bierbrauern und Bierköniginnen spielende Handlung ist meist nur rekapituliert und kaum mit szenischen Elementen durchsetzt. Man ist schon dankbar, wenn ein verdächtiges Paar somnambul-geheimnisvolle Theatertexte spricht, oder wenn sich Verena Altenberger als Frau des Oberländer-Freundes im Keller an Ketten windet. So serviert die siebte Folge der "Toten vom Bodensee" nicht, was der Reihentitel verspricht: eine packende Schauergeschichte vom Schwäbischen Meer.


Quelle: teleschau – der Mediendienst