Wer an dem etwas heruntergekommenen Bau in der Münchner Arcisstraße vorbeiläuft, würde wohl kaum vermuten, dass sich hier einst das Schicksal eines ganz Landes entschied. Im Inneren befindet sich heute die Hochschule für Musik und Theater, und nur ein unscheinbares Schild an einer bröckelnden Mauer weist darauf hin, dass hier, im sogenannten "Führerbau", das Münchner Abkommen beschlossen wurde. In der Nacht vom 29. auf den 30. September 1938 besiegelten Hitler, Mussolini, Chamberlain und der französische Ministerpräsident Daladier das Ende der Tschechoslowakei. 80 Jahre später erinnert ARTE mit dem opulenten tschechischen Spielfilm "Der Verrat von München" an das Ereignis, das sich tief eingeprägt hat ins Gedächtnis der Tschechen und Slowaken.

"Masaryk" heißt der Film im Orginal, nach Jan Masaryk, der auch im Zentrum von Julius Sevciks Drama steht. Masaryk war bis 1948 tschechoslowakischer Außenminister, zunächst in der Exilregierung, später dann unter den Kommunisten; sein Vater war der erste Staatspräsident der Tschechoslowakei. Bevor im Münchner Abkommen das Sudetenland an das Deutsche Reich abgetreten wurde und Hitler später die restliche Tschechoslowakei besetzte, war Jan Masaryk Diplomat in London.

"Ich war ein guter Lügner, deswegen hat mein Vater mich wohl in die Politik geschickt", sagt der Mann, der im Film von Karel Roden gespielt wird. Belogen wurde dann aber die Tschechoslowakei – statt dem erhofften Frieden in Europa brach bald der Krieg aus. Die Weltpolitik hatte das Land geopfert.

"Der Verrat von München" erzählt, wie Masaryk versucht, das Münchner Abkommen zu verhindern, und wie er ein Jahr später in einem amerikanischen Sanatorium daran verzweifelt, gescheitert zu sein. Später wird er dann doch neuen Mut fassen, nach England gehen und mit seinen BBC-Ansprachen sein Volk zum Durchhalten auffordern. Der Film zeigt Masaryk als eisernen Kämpfer für sein Land, ohne ihn pathetisch zu überhöhen.

Dabei war Masaryk, der 1948 unter noch immer ungeklärten Umständen zu Tode kam, durchaus ein Nationalheld. Karel Roden, einer der bekanntesten Filmstars Tschechiens, spielt ihn äußerst facettenreich in diesem spannend inszenierten, toll ausgestatteten Historienstück. An seiner Seite steht mit Eva Herzigova geballte Prominenz. Die heute 45-Jährige ist eine Ikone aus der Ära der Supermodels.

Die Geschichte, die "Der Verrat von München" erzählt, mag in Deutschland kaum bekannt sein; wenn Masaryk im Film aber beschwört, "wir müssen das Unheil rechtzeitig bekämpfen, damit es sich nicht ausbreitet", dann ist die Gegenwart plötzlich ganz nah.


Quelle: teleschau – der Mediendienst