Hinschauen, wo es weh tut: Regisseur Florian Eichinger erzählt im Drama "Die Hände meiner Mutter" erneut über Missbrauch innerhalb der Familie.

Nach dem Vater-Sohn-Drama "Bergfest" (2009) und "Nordstrand" (2012) widmete sich Regisseur Florian Eichinger einmal mehr dem Thema der familiären Gewalt. Erzählte der deutsche Filmemacher in "Bergfest" vom Missbrauch eines Sohnes durch den Stiefvater, wird im letzten Teil seiner Trilogie die Mutter zur Täterin. Keine Frage: "Die Hände meiner Mutter" (2016) ist ein Wagnis. Ein gelungenes jedoch: Auf dem Münchner Filmfest geriet das Drama im Jahr 2016 zum großen Gewinner und wurde unter anderem mit dem Förderpreis in der Kategorie Regie bedacht. Völlig zu Recht. 3sat wiederholt das Drama im Rahmen des Themenabends "Missbrauch".

Markus (Andreas Döhler) scheint ein glückliches Leben zu führen. Er ist erfolgreicher Ingenieur und Familienvater. Aber die Schatten der Vergangenheit lauern im Verborgenen: Als Kind wurde er von seiner Mutter Renate (Katrin Pollitt) mehrfach sexuell missbraucht. Die traumatischen Erlebnisse hatte er lange verdrängt – bis durch einen kleinen Zwischenfall die bösen Erinnerungen an die Oberfläche gelangen. So beschließt er, beim Familientreffen zum Geburtstag seines Vaters (Heiko Pinkowski) die Verwandtschaft damit zu konfrontieren und endlich das Unaussprechliche zum Thema zu machen.

"Die Hände meiner Mutter" hat Florian Eichinger akribisch vorbereitet; über viele Jahre führte der Regisseur intensive Gespräche mit Opfern und Psychologen. Die intensive Auseinandersetzung mit dem Tabuthema macht den Film zu einem dichten und bewegenden Psychogramm eines Mannes, der verzweifelt versucht, das erlittene Trauma loszuwerden. Das eigene Leben droht ihm dabei jedoch zu entgleiten.

Die feinfühlige Inszenierung ist nicht moralisierend und verliert sich auch nicht in Dämonisierung. Vielmehr übt sich Eichinger in einer stillen und nüchternen Beobachtung, die auf diese Weise eine ungeheure emotionale Wucht entfaltet. Die Besetzung des tristen Dramas scheint zudem perfekt: Jessica Schwarz überzeugt mit einem nuancierten Spiel in der Rolle der hilflosen Ehefrau. Hauptdarsteller Döhler macht mit seinem glaubwürdigen Spiel auf beklemmende Weise erfahrbar, wie sich die Hölle auf Erden anfühlen muss.

3sat zeigt im Rahmen des Themenabends zur Primetime die Dokumentation "Das System Jegge", die über einen Schweizer Missbrauch-Skandal berichtet. Im Anschluss (22.45 Uhr) an "Die Hände meiner Mutter" folgt die Dokumentation "Das dunkle Geheimnis", in der drei Frauen von ihrem Leiden erzählen. Danach gibt es einen Perspektivwechsel: Um 23.30 Uhr begleitet die Dokumentation "Gefährliche Lust – Der Kampf gegen Kindesmissbrauch" unter anderem einen pädophilen Mann.


Quelle: teleschau – der Mediendienst