Das Fernsehgeschäft, es ist eine unerbittliche Kulturindustrie-Maschine. Eindrücklich belegt wird diese These nun von einem, der mittendrin steckt: Kai Tilgen, erfahrener Regisseur bei Formaten wie "Deutschland sucht den Superstar", "The Biggest Loser" und "Versteckte Kamera", packt in seinem Buch "Wie ich mir meinen Platz in der Fernsehhölle verdient habe" aus.

Schonungslos schreibt der 57-Jährige aus seiner Sicht über die die Abläufe hinter den Kulissen bei Scripted-Reality-Formaten und Soaps – und lässt uns nach Aussage seines Verlags "tief in die Abgründe der Traumfabrik eintauchen".

Tilgen, der seit 24 Jahren beim Fernsehen arbeitet, sagt: "Ausnahmslos jeder Kollege, dem ich vorab von diesen Zeilen erzählt habe, reagierte mit: 'Geil, das muss ich haben!' Und mit jedem Kollegen, der so antwortete, war ich schon in Situationen, in denen irgendjemand sagte: 'Übers Fernsehmachen müsste man mal ein Buch schreiben!" Genau das tat Tilgen – und berichtet in seinem 240-Seiten-Werk über die Arbeitsbedingungen, den Druck, den Neid und die Neurosen hinter den Produktionen.

Selbstkritisch gibt sich Tilgen dabei allemal: "Als Kopfrevolutionär aus gutem Hause habe ich den Medien neben ihrem Informationsauftrag früher vorgehalten, außerdem für das selbstgefällige Einschläfern der Massen zuständig zu sein", so der Regisseur. "Auch wenn ich heute mit dem Land, in dem ich lebe, sehr zufrieden bin und meinen deutschen Pass sehr schätze, hat sich diese Ahnung, was das Fernsehen mit den Menschen machen soll, im Kern nicht verändert. Mit dem Unterschied, dass ich heute selbst dabei helfe, derartiges Beruhigungsprogramm herzustellen."

Auch verrät der Autor, wie die Kandidaten bekannter Castingshows hinter den Kulissen behandelt werden. Im Mittelpunkt stehe nach seinen Worten bei Formaten wie "DSDS" keineswegs die Suche nach Talenten, sondern die Demütigung der Unbegabteren: "Der Erfolg der Sendung liegt nicht im Finden des besten Sängers. Wir tun so, als hätten die Kandidaten eine Chance. Haben sie aber nicht", packt Tilgen in seinem Buch aus. Gegenüber "Bild" gestand der TV-Kenner: "Es ist Zufall, wer berühmt wird. Viele junge Damen kommen mehr wegen ihrer Bikinifigur weiter."

Ob sein Buch, das am 1. Oktober im Schwartzkopf & Schwartzkopf Verlag erscheint, die Verantwortlichen dahingehend jedoch aufrüttelt, ist eine andere Frage.


Quelle: teleschau – der Mediendienst