Die Grand Dame des Fernsehens feiert am 13. Oktober ihren 80. Geburtstag. Die ARD schenkt Christiane Hörbiger die Hauptrolle in der Komödie "Einmal Sohn, immer Sohn", in der sie als Lilo Maertens eine Ikone der Frauenbewegung spielt.

Was hat Sie an der Rolle gereizt?

Es war eine wunderbare Rolle, ein sehr gutes und stimmiges Drehbuch, das mich überzeugt hat. Der Instinkt sagte mir sofort, die Rolle der Lilo Maertens anzunehmen. Zudem habe ich mich gefreut, nach den vielen Dramen, für die ich in den letzten Jahren vor der Kamera stand, endlich wieder in einer Komödie mitzuwirken.

Wie nah ist Ihnen Lilo Maertens?

Ich hatte großen Spaß an meiner Figur, da ich es liebe, boshafte Frauen zu verkörpern. Eine dankbare Sache. Lilo ist eine streitsüchtige, schonungslose Frau, die ohne Rücksicht auf andere ihren Weg geht. Beruflich wie privat.

Was war die größte Herausforderung bei den Dreharbeiten?

Das begann schon vor den Dreharbeiten mit dem Textlernen. Ich habe fünf Wochen vorher angefangen, mir den ganzen Text einzuverleiben, auch um die Rolle besser ausgestalten zu können. Es war insgesamt schon anstrengend für mich. Die Rolle ist ja sehr groß, folglich stand ich ununterbrochen vor der Kamera. Als unangenehm habe ich das Spiel mit den verbundenen Augen empfunden. Ich konnte nichts sehen und war froh, wenn ich die Augenbinden in der Mittagspause abnehmen konnte. Aber um wirklich glaubhaft zu spielen, wollte ich nichts sehen.

Mario Adorf spielt Lilos Liebhaber aus früheren Zeiten. Erleichtert es Ihnen das Spiel, wenn ein Kollege Ihnen vertraut ist?

Mir haben die Knie vor Aufregung gezittert. Ich habe großen Respekt vor Mario Adorf. Als ich hörte, dass er zugesagt hat, diese Gastrolle zu übernehmen, habe ich mich schrecklich gefreut. Mario Adorf ist ein wirklich ganz großer Schauspieler, die Spielszenen mit ihm waren einfach wunderbar.

Ist Komödie die hohe Schule der Schauspielkunst?

Absolut. Um zu Tränen zu rühren, braucht man vor allem ein gutes Buch. Aber seinen Humor an die Menschen abzugeben, sie zum Lachen zu bringen, das ist viel schwieriger. Zudem braucht es einen guten Regisseur und Cutter, damit die Pointen an den richtigen Stellen gut gesetzt sind.

Vielen sind Sie noch in bester Erinnerung aus dem "Erbe der Guldenburgs". War das der entscheidende Karriereschub?

Das war einmalig. Meine Rolle bei den "Guldenburgs" Ende der 1980er Jahre hat mir ungemein geholfen, überhaupt freischaffend arbeiten zu können.

Wichtige Filme wie "Schtonk" haben Sie zusammen mit Götz George gedreht. Fehlt er Ihnen?

Götz fehlt mir sehr. Er war Vorbild und Freund, zudem ein wunderbarer Ratgeber in zwischenmenschlichen Dingen. Götz hat eine Lücke hinterlassen, die keiner schließen kann.

Sie werden am 13. Oktober 80 Jahre alt. Wissen Sie schon, wie das gefeiert wird?

Ich feiere in einem ganz kleinen Kreis. Mein Heimatsender, der ORF, wird meinen Geburtstag mit einer Sendung würdigen. Neben Otto Schenk und Peter Weck hat auch Mario Adorf zugesagt. Das freut mich ganz besonders.