Hexen, Vampire und Dämonen: Sky 1 taucht mit seiner Eigenproduktion "A Discovery of Witches" (ab 26. April) tief in Fantasy-Gefilde ein – und präsentiert eine Art "Twilight" für Erwachsene.

Ja, es ist tatsächlich schon zehn Jahre her, seit Bella Swan sich in Edward Cullen verliebte, Kristen Stewart und Robert Pattinson zu Teenie-Idolen wurden und es vor "Twilight" kein Entrinnen mehr gab. Und egal, wie oft man in den folgenden Jahren die Augen verdrehte über die glitzernde Vampirhaut, das unfreiwillig komische Film-Make-Up und die schwülstigen Dialoge – die Fantasy-Reihe traf einen Nerv beim Publikum. Denn das Interesse an Vampirromanzen ebbte keineswegs ab, nachdem die letzte "Twilight"-Verfilmung 2012 in die Kinos gelaufen war.

Statt ins Kino zu gehen, mussten Zuschauer, die – Achtung, Wortspiel – Blut geleckt hatten, fortan einfach nur den Fernseher einschalten, um mit Serien wie "True Blood" (2008-2014), "Vampire Diaries" (2009-2017) oder "The Originals" (2013-2018) ihren Durst zu stillen. Ab 26. April wagt sich nun Sky mit seiner Eigenproduktion "A Discovery of Witches" in romantische Fantasy-Gefilde vor.

Die Hochglanz-Serie basiert auf dem gleichnamigen Roman von Deborah Harkness, die ihren Bestseller von 2011 selbst als "Gedankenexperiment" bezeichnet. Denn eigentlich ist die Amerikanerin eher in der Welt der Fakten als der Fantasy-Wesen zu Hause: Harkness ist Geschichtsprofessorin und unterrichtet an der University of Southern California Europäische Geschichte und Geschichte der Wissenschaft. Zufällig die Fachgebiete, die auch die von ihr erdachte Historikerin Diana Bishop (Teresa Palmer) beackert. Im Zuge ihrer Recherche in Oxford stößt die junge Akademikerin auf ein altes Manuskript, das mit einem Zauber belegt zu sein scheint – und das jede Menge Interessenten auf den Plan ruft, allen voran den kultivierten Biochemie-Professor Matthew Clairmont (Matthew Goode). Dass der sich als Vampir entpuppt, schockiert Diana kaum. Schließlich ist sie selbst eine Hexe, wenn auch eine, die sich weigert, ihre Magie zu verwenden und sie deshalb nicht beherrschen kann.

Ein Nachteil, wie sich bald herausstellen soll, denn die anderen Interessenten an dem Manuskript, das nur für Diana erscheint, sind deutlich weniger freundlich als Vampir Matthew, aber nicht minder mächtig. Bald schon sind Hexen, Dämonen und Vampire gleichermaßen hinter der jungen Frau her, die nun nicht nur das Geheimnis des Buches erforschen muss – sondern auch ihre eigenen Kräfte und ihre mysteriöse Verbindung zu dem Manuskript. Gut, dass sie dabei auf Matthews Unterstützung bauen kann.

Serie lässt sich manchmal zu wenig Zeit

Schneller, als man "Twilight - Biss zum Morgengrauen" sagen kann, fasst Diana Vertrauen zu einer der Kreaturen, vor denen sie von anderen Hexen immer gewarnt wurde. Man kann es ihr nicht verübeln: Matthew Goode scheint die Rolle des mysteriösen, scheinbar immer selbstbeherrschten Gentlemans auf den Leib geschrieben worden zu sein. Allein auf seine Stärke und seine Jahrhunderte lange Erfahrung verlässt sich Diana dennoch nicht. Obwohl Diana ihre magischen Kräfte noch nicht unter Kontrolle hat, machte Harkness sie zu einer mutigen, selbstbewussten jungen Heldin, die Hilfe zwar annimmt, aber nicht auf sie angewiesen ist. Das sieht nicht nur das geschulte Vampirauge, sondern dank Teresa Palmers entschlossenem Spiel auch das Publikum.

Schade, dass die Geschichte gerade zu Beginn schneller vorangetrieben wird, als man die Haupt- und Nebencharaktere richtig kennenlernen kann. Die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern stimmt wunderbar, doch man würde sie wohl besser spüren, wenn man hin und wieder etwas länger in einer Szene verweilen könnte. Das gilt auch für die kleinen Schockmomente, die zwischendurch eingestreut werden, um die zu demonstrieren, in welcher Gefahr Diana eigentlich schwebt.

Durch die Eile, mit der Story fortzufahren, wirkt "A Discovery of Witches" stets ein wenig distanziert. So, als würde man mit Hochglanzbildern und Beherrschung bewusst erwachsener wirken wollen als "Twilight". Doch mit einer so interessanten, faktengarnierten Handlung könnte man sich ruhig ein klein wenig mehr Kitsch erlauben. Vielleicht dann ja in Staffel zwei und drei, die von Sky schon bestellt worden sind? Es muss ja nicht gleich glitzernde Vampirhaut sein ...

Die acht Episoden sind ab Freitag, 26. April, 20.15 Uhr, auf Sky 1 HD zu sehen – oder auf Abruf und im Stream mit Sky Go und Sky Ticket.


Quelle: teleschau – der Mediendienst