Im Kultfilm "Bomber & Paganini" spielten Mario Adorf und Tilo Prückner einst ein Gaunerduo. Die Komödie "Alte Bande" in der ARD ist keine Fortsetzung, aber ein schönes Revival-Märchen.

Ach ja – vor mehr als 40 Jahren haben sie zusammen im 70er-Jahre-Kultfilm "Bomber & Paganini" gespielt. Nach einem missglückten Bankraub saß der eine im Rollstuhl und war gelähmt. Der andere war blind und musste ihn schieben. Trotzdem ließen sie es sich nicht verdrießen und machten weiter als Ganovenpärchen. In der Knastkomödie "Alte Bande" spielen Mario Adorf und Tilo Prückner – fast 90 der eine, fast 80 der andere, man darf das sagen – unter der Regie von Dirk Kummer ("Zuckersand") noch einmal ein Ganovenpaar. Keine Fortsetzung, kein direkter Anschluss. Eher ein wunderbares Wiedersehen zweier bescheidener Stars und Komödianten.

Glücklicherweise sind die Macher der Seniorenkomödie nicht auf die Idee verfallen, zwei alte Herren noch einmal den ganz großen Coup landen zu lassen: Seht her, wie gut es die Alten noch können! Kein Rififi, kein Marathon, noch nicht mal ein Coup wie bei in "Lina Braake". Stattdessen gelassene Würde beim ewigen Einsitzen in der Justizanstalt. Mario Adorf braucht nur einen roten Trainingsanzug und Turnschuhe anzuziehen als Zeichen seines Junggebliebenseins, ganz ohne Lächerlichkeit. "Der Boxer" wird seine Figur von den anderen Insassen respektvoll genannt. Amateurboxer war er mal und nebenbei kriminell, die Anstaltspsychologin zählt die Einbrüche und die Banküberfälle auf, die der Kerl einst getätigt hat mit seiner berühmten Boxerbande. Vorwurfsvoll bemerkt sie dann auch noch, er habe die Hälfte seines Lebens im Knast verbracht, nun gelte es für ihn, sich endlich andere Ziele zu setzen.

Doch der Boxer scheint mit dem Leben zufrieden zu sein. Kein Wunder, sieht doch das Seniorengefängnis, in dem er seit kurzem lebt, eher aus wie ein Hotel – mit Schlüssel fürs Zimmer, Freigang im Haus und vollautomatischem Bettgestell. Alleine das überraschende Zusammentreffen mit seinem alten Kumpel Wallberg (Tilo Prückner) wirft ihn noch einmal aus der Bahn. Mit ihm hatte er vor Zeiten die Tresore geplündert. Noch wartet eine Kassette mit Juwelen unter einem Baum, die beide gemeinsam mit Henne (Hermann Beyer), dem Dritten im Bunde, heben möchten. Henne hatte aber auch all die Jahre heimlich die Verbindung zu Kathrin, der großen Liebe Boxers, aufrecht gehalten. Es könne ja, so sagt er, Boxers – oder doch Wallbergs? – Tochter sein.

Nichts ist so schön wie ein Kinoknast mit den Vorzügen des schlau eingerichteten bequemen Lebens. Der alte Wallberg weiß wie so was geht: Er spielt den Dementen mit Augenverdrehen und ruckartigem Essensgeschlürfe. Derlei Slapstick könnte danebengehen, aber Prückner macht das abgrundtief komisch. Der Ausbruch aus dem Knast, der nicht lange auf sich warten lässt, läuft dann wie geschmiert. Wallberg hat für alles vorgesorgt, für den notwendigen Kurzschluss im Keller und für den Transport nach draußen. Schade nur, die Schatulle unterm Baum entpuppt sich als beinahe leer. Eine Tochter koste eben viel Geld, sagt Henne. Und dann erkennt Kathrin (Hildegard Schmahl), auch das noch, "ihren" Boxer leider nicht mehr beim glücklichen Wiedersehen.

Ein bisschen viel Demenz ist drin, wie inzwischen so oft, im Handlungsmotor dieser ansonsten mit weiser Melancholie ablaufenden Komödie. Trotz tumultuösem Gefängnisausbruch und einer finalen Verfolgungsjagd mit der Polizei liegt die Stärke dieser Komödie in ihrer Verhaltenheit. Adorf zieht seinen rheinischen Haffenloher-Slang durch, wie er es einst in "Kir Royal" getan ("Isch scheiß disch sowas von zu mit meinem Geld"), eine Drehorgel malt häufig mit und der Rhein ist "immer noch derselbe", wie Boxer bemerkt. "Vorbei ist vorbei", summen sie im Auto noch, und dann fahren sie gegen die Wand, und alles wird weiß. So schön. Nur der Score mit dem geröchelten Walzer geht einem irgendwann auf die Nerven. Man hat ja schon verstanden: Das sollte keine Klamotte, sondern eine abgründige Tragikomödie am Rande des Lebens sein.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH