"37°" begleitet drei junge Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen in Form einer Langzeitstudie. Haben sie wirklich alle die gleichen Bildungschancen in Deutschland?

"18,3 Milliarden – das ist der größte Haushalt für Bildung und Forschung, der jemals zur Verfügung stand", begeisterte Anja Karliczek sich erst Ende November im Deutschen Bundestag. Die CDU-Politikerin und Bundesministerin für Bildung und Forschung lobpreiste dafür eine Verantwortliche: Angela Merkel. Karliczek rechnete vor: "Seit diese Bundeskanzlerin im Amt ist, sind die Ausgaben für Bildung und Forschung um 140 Prozent gestiegen." Doch wurden diese Milliarden auch sinnvoll eingesetzt? Im Rahmen von "37°" im Zweiten wirft Jörg Stolpe diese Frage auf. Der Autor wollte herausfinden, ob Begabung und Ehrgeiz ausreichten, wenn man in Deutschland den Aufstieg schaffen will. Drei junge Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen begleitete er mit der Kamera für sein spannendes Sozialexperiment in Form einer Langzeitstudie.

Nur aber war die Aktualität mal wieder schneller. Denn die Anfang Dezember veröffentlichten Ergebnisse einer neuen Pisa-Studie sorgten für Ernüchterung. Die kurze und knappe Zusammenfassung: Im internationalen Vergleich rangiert Deutschland insgesamt immer noch über dem Durchschnitt, trotz schlechterer Ergebnisse im Vergleich zur letzten Erhebung. Dennoch liegen die deutschen Schülerinnen und Schüler weit hinter den Spitzenreiter-Nationen zurück. Auch der Abstand zu einigen OECD-Partnern ist groß. Sogar der deutsche Bundespräsident, Frank-Walter Steinmeier, sah sich nach diesem Abrutschen Deutschlands im Ranking bemüßigt, die Zahlen unmissverständlich zu kommentieren. Steinmeier: "In Deutschland entscheidet noch immer häufig die soziale Herkunft über die Bildungschancen von Kindern."

Allerdings: So ganz neu ist diese Erkenntnis aus dem Schloss Bellevue in Berlin nun auch nicht. Zahlreiche Studien zeigen längst, dass Kinder aus sozial schwachen Familien in Deutschland geringere Chancen auf gute Bildung haben. Dieses Wissen ist seit Jahren bekannt – den Einsatz von Milliarden hin, angeblich fulminante Steigerungsraten an Investitionen in Prozent her. Und ein weiterer Film über vermeintliche "Aufsteiger mit schwerem Start" wird daran auch nichts ändern. Wobei es natürlich nie schaden kann, den Finger in die Wunde zu legen. Und es gibt ja auch die positiven Beispiele. Im Film wird unter anderem Nejla vorgestellt. Sie ist heute Lehrerin an einem Gelsenkirchener Gymnasium – ausgerechnet für Deutsch. Als Kind kam sie mit ihrer kurdischen Familie aus der Türkei. In der Grundschule hatte sie noch Sprachprobleme und wurde auf die Hauptschule geschickt.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH