Bradley Cooper versucht in "Der Dieb der Worte" weiter davon zu überzeugen, dass er auch ernste Rollen spielen kann ... diesmal allerdings weniger erfolgreich.

Schon wieder bekommt es Bradley Cooper mit Ernest Hemingway zu tun: Diesmal ist Coopers Filmfigur dem großen amerikanischen Schriftsteller allerdings deutlich wohlgesonnener als in "Silver Linings". Während Pat, die Hauptfigur in der Tragikomödie eine Ausgabe von Hemingways "In einem andern Land" schimpfend durchs geschlossene Fenster warf, weil ihm das Ende so missfiel, verfällt nun Rory, Coopers Charakter in "Der Dieb der Worte", vor einer Hemingway-Gedenktafel kurz in eine ehrfurchtsvolle Starre. Grund zur Schelte hätte jetzt dafür der Zuschauer: Bradley Cooper hat als Hemingway-Hasser die deutlich bessere Figur gemacht! Dank der Free-TV-Premiere im Ersten können sich davon nun auch die TV-Zuseher davon überzeugen.

Natürlich steht und fällt "Der Dieb der Worte" nicht allein mit Bradley Coopers schauspielerischer Leistung. Schließlich ist Cooper im Regiedebüt der "Tron: Legacy"-Autoren Brian Klugman und Lee Sternthal nicht der alleinige Hauptdarsteller, geschweige denn der einzige namhafte Schauspieler: Jeremy Irons, Dennis Quaid, Zoë Saldaña, Olivia Wilde und Ben Barnes übernahmen ebenfalls größere Rollen. Doch es ist eben Bradley Cooper, der beweisen muss, dass seine Performance in "Silver Linings" nicht nur ein glücklicher Ausrutscher war. Und im Direktvergleich mit Jeremy Irons ist ihm die mimische Unterlegenheit leider allzu deutlich anzusehen.

Coopers Rory Janson versucht sich seit Jahren als Schriftsteller, allerdings ohne nennenswerten Erfolg, wie gesammelte Ablehnungsschreiben in einer Sequenz von Überblenden recht altmodisch illustrieren. Das Blatt wendet sich für ihn erst, als er in einer alten Aktentasche, die ihm seine Frau (Zoë Saldaña) in einem Antiquariat in Paris kaufte, ein altes Manuskript findet. Bewegt von den Worten, die er auf den vergilbten Seiten liest, beginnt Rory, den Roman Buchstabe für Buchstabe abzutippen.

Ein ruhiges Gewissen hat er nicht, als sein Agent "sein" Werk veröffentlichen will, doch Rory unternimmt auch nichts, um die Sachlage aufzuklären. Erst recht nicht, als das Buch ein Erfolg und Rory zum neuen Star der Literaturszene wird. Doch eines Tages erhält der Dieb der Worte Besuch von einem alten Mann (Jeremy Irons), der erstaunlich viele Hintergrundinformationen zu Rorys gefundener Geschichte kennt.

Die Story vom geklauten Roman erinnert sehr an "Lila lila", den 2004 veröffentlichten Roman von Martin Suter, beziehungsweise die gleichnamige Kinoadaption von 2009? Reiner Zufall, versichern Klugman und Sternthal, die mit der Arbeit am Skript bereits 1999 begonnen haben wollen. Doch auch wenn man die Geschichte vorher noch nicht gehört hat, lässt sie in der Fassung von Klugman und Sternthal die nötige Spannung vermissen. Die Autoren beginnen zwar mit dem Aufbau eines Spannungsbogens, scheinen aber auf halber Strecke kein Material mehr zu haben, um ihn auch fertigzustellen.

Nach dem großen Erfolg mit "A Star Is Born" 2018 hatte Bradley Cooper auch in diesem Jahr bei zwei Kinohits seine Finger im Spiel. Im erfolgreichsten Film aller Zeiten, "Avengers: Endgame", lieh er dem Waschbär Rocket seine Stimme. Außerdem fungierte er als Produzent des Publikumsmagneten "Joker" mit Joaquin Phoenix in der Hauptrolle.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH