Drei Gänge zurück, zwei Schritte nach vorn: Der Headautor des Rostocker "Polizeirufs" lotste Til Schweiger mit sicherer Hand aus der Action-Sackgasse. Wenn das so weitergeht, wird einem der Kommissar Nick Tschiller am Ende noch sympathisch.

Ebenfalls eine Gewinnerin "Tatort"-Folge "Tschill Out": die neue LKA-Kollegin Robin Pien. Wer hinter der Rolle steckt und alles weitere Wissenswerte zum Inselkrimi – Sie erfahren es hier.

Worum ging's?

Zunächst um einen missglückten Kronzeugen-Transport von Hamburg nach Spanien. Von zwei Brüdern, beide Mitglieder einer linksradikalen Punkband, wurde einer auf einem Parkplatz erschossen. Den Überlebenden wusste Yalcin Gümer (Fahri Yardim) nirgendwo anders unterzubringen als beim Ex-Partner. Nick Tschiller weilte ob eines anhängigen Disziplinarverfahrens den ganzen Film über auf der einsamen Nordsee-Insel Neuwerk. Dort sollte er sich eigentlich um schwer erziehbare Jugendliche kümmern, musste schließlich aber dem bockigen Musiker Tom Nix (Ben Münchow) das Leben retten.

Worum ging es eigentlich?

Darum, den größten lebenden "Tatort"-Star aus der Action-Sackgasse zu lotsen. Alle hatten einsehen müssen: Selbst mit der Bazooka war dort zuletzt kein Weiterkommen mehr. Also wurde Eoin Moore angeheuert. Der Erfinder des Rostocker "Polizeiruf"-Pärchens Bukow und König sollte beim Hamburger "Tatort" nach fünf vorausgegangenen Kawumm-Krimis die Reset-Taste drücken und die überhitzte Hauptfigur ein paar Grad runterkühlen. Für den Autor und Regisseur hatte sich Schweiger persönlich starkgemacht. Eoin Moore: "Es gab den Wunsch nach einer Veränderung, und weil sich Til schon früher einmal als 'Polizeiruf"'-Rostock-Fan geoutet hatte, wurden wir angesprochen."

Das sagen die Stars zum Neustart

Im Begleitschreiben des Senders zur Ausstrahlung wird Til Schweiger mit einem Satz zitiert, den man sich auf der Zunge zergehen lassen muss. "Die Spannung in diesem 'Tatort' ergibt sich mehr aus der Psychologie und den komplexen zwischenmenschlichen Verwicklungen." Wow. Der Neustart sei notwendig geworden, "da wir das Action-Konzept des Kinofilms nicht mehr toppen konnten". Kollege Fahri Yardim äußert sich deutlich selbstkritischer: "Ich mag die neue Tonalität. Ich verstehe sie auch als Ausdruck eines Zugehört-Habens, auch dem Zuschauer gegenüber. Das Veränderungsbedürfnis war deutlich. Statt gekränkt in einer Trotzhaltung zu versteifen, wachsen wir über unsere Anfänge hinaus und trauen uns andere Facetten zu."

Wie abgelegen ist die Insel Neuwerk wirklich?

Knapp 40 Einwohner, die Fähre fährt (zwischen März und Oktober) einmal am Tag: Die Insel Neuwerk wirkt auf den reizüberfluteten Kommissar a.D. Nick Tschiller wie eine Ausnüchterungszelle. Tatsächlich ist das schroffe Eiland so abgelegen, wie im "Tatort" geschildert. Neuwerk, rund zehn Kilometer nordwestlich vor Cuxhaven gelegen, erstreckt sich auf nur drei Quadratkilometer Fläche. Dort finden sich eine Inselschule mit zwei Kindern sowie das älteste erhaltene Gebäude des Stadtstaats Hamburg, der 1310 fertiggestellte Leuchtturm. Gar so einsam ist es auf Neuwerk aber trotzdem nicht. Jährlich werden rund 100.000 Touristen gezählt. Einige kommen zu Fuß auf einer elf Kilometer langen Wanderung von Cuxhaven durch das Watt.

Wer spielte die neue Kommissarin Robin Pien?

Drei Gänge zurück, zwei Schritte nach vorn: So unverbissen und selbstironisch, wie er sich hier präsentierte, wird einem der Hamburger Supercop Nick Tschiller fast noch sympathisch. Die Folge "Tschill Out" hat allerdings noch eine weitere große Gewinnerin: Yalcin Gümers neue LKA-Kollegin Robin Pien machte mächtig was her. Entwaffnend cool, schwer auf Zack und überdies bildhübsch – kein Wunder, dass Schnodder-Cop Gümer ungewohnt zickig wurde.

Gespielt wird die Neue von der 26 Jahre jungen Zoe Moore. Ihr Debüt gab Tochter von Eoin Moore bereits als Kind unter der Regie ihres Vaters im preisgekürten Kinofilm "Plus-Minus Null" (1997). Auch in "Pigs will fly" (2002) und im "Polizeiruf 110: Wendemanöver" stand sie für den – noch – berühmteren Papa vor der Kamera. Selbstbewusst wie eine Große antwortet sie aber schon jetzt: Die "Tatorte" mit Til Schweiger wollte sie sich zur Rollenvorbereitung "nicht noch mal anschauen, weil wir ja etwas ganz Neues machen wollten", erklärt Zoe Moore abgebrüht. Ihre Rolle gefällt ihr aus ganz bestimmten Gründen: "Ich finde es immer toll, wenn im Fernsehen nicht nur eine Männerriege präsentiert wird, die als die großen Macher alle zur Stecke bringt und die Frauen nur zugucken. Robin Pien gehört für mich zu diesen souveränen Frauen, die sich nicht duckmäuserisch verhalten oder von Männern klein machen lassen."

Was ist als Nächstes geplant?

Völlig offen! "Wie es mit dem 'Tatort' mit Til Schwieger weitergeht, werden wir zu gegebener Zeit bekanntgeben", beschied der NDR auf Nachfrage. Eile besteht keine. Der Hamburger "Tatort" läuft in einem Rhythmus von nur einer Folge pro Jahr.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH