Im fiktiven Ostsee-Städtchen Nordholm wird eine Schülerin ermordet. Nach dem Vorbild der britischen Serie "Broadchurch" versuchen Hella Christensen (Barbara Auer) und Simon Kessler (Heino Ferch), den Fall aufzuklären.

Ganz schön viel los in diesem Nordholm, das es eigentlich gar nicht gibt. Schade, denn man würde – trotz der Morde – gern sofort ein Ferienhaus in diesem deutschen Ostseeparadies mieten. Nach den beiden sehr erfolgreichen Zweiteilern "Tod eines Mädchens" (2015) und "Die verschwundene Familie" (2019) erschüttert nun ein weiteres Kapitalverbrechen diesen Ort. Während einer Abiturfeier am Strand verschwindet die Schülerin Jule Reinhardt (Tijan Marei). Am nächsten Morgen wird ihre Leiche an den Klippen gefunden. Während die örtliche Polizei die verkaterten Schüler und Lehrer Dirk Eilers (André Szymanski) vernimmt, betritt der mittlerweile nach Hamburg gewechselte LKA-Ermittler Simon Kessler (Heino Ferch) den Raum und reißt den Fall in gewohnt rauer Manier an sich.

Nicht mehr bei der Polizei arbeitet indes die in Nordholm lebende Hella Christensen (Barbara Auer). Ihr Sohn Sven (Nick Julius Schuck) war ein Mitschüler der Toten. Von ihrem Mann Johannes (Rainer Bock) lebt die Ex-Ermittlerin mittlerweile getrennt. Als Jules Mutter (Sophie von Kessel) die Todesnachricht erhält, schlüpft sie erst mal bei ihren Freunden Klaus und Beate Steinkamp (Axel Milberg und Natalia Wörner) unter. Auch deren Tochter Lisa (Lena Klenke) war Teil der Abitur-Clique. Als kurz nach Beginn der Ermittlungen auch Hellas Sohn verschwindet, arbeitet die ehemalige Polizistin notgedrungen wieder mit dem hassgeliebten Gastermittler Kessler zusammen. Teil zwei des ZDF-Edelkrimis folgt am Mittwoch, 8. Januar, um 20.15 Uhr.

Als 2015 "Tod eines Mädchens", der erste Film der losen Reihe ohne Titel, im ZDF-Programm auftauchte, erkannten Beobachter des internationalen Fernsehgeschäfts deutliche Anleihen beim englischen Serien-Phänomen "Broadchurch". Ein echter Straßenfeger, bei dem die Briten über Wochen gemeinsam darüber nachdachten, wer im – ebenfalls fiktiven – Küstenstädtchen einen Jungen ermordet hatte. Auch in "Broadchurch" traf ein arroganter Ermittler von außerhalb (David Tennant) auf eine örtliche Polizistin mit Familie, gespielt von Oscar-Preiträgerin Olivia Colman ("The Favorite"), gegenwärtig als neue Queen in der famosen Netflix-Serie "The Crown" zu sehen.

Im Prinzip versuchen sich das britische Original wie die lose deutsche Adaption neben dem Mörderpuzzle auch an einem Kleinstadt-Psychogramm mit zahlreichen Abgründen und Doppelleben. Dass dieses "Nichts ist, wie es scheint"-Prinzip hier und da zum dramaturgischen Selbstläufer wird, der den Stauneffekt über das Realistische setzt, dürfte die meisten Krimifans nicht stören. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass das deutsche Broadchurch namens Nordholm auch als anders benannter Ort nicht existiert. Autor und Regisseur Thomas Berger, er drehte mit Heino Ferch auch die ersten beiden "Allmen"-Filme nach Martin Suter, gibt zu, dass sein Ostsee-Paradies aus sage und schreibe 17 verschiedenen Außen-Locations im ganzen Norden zusammengesetzt ist – darunter sogar die pittoresken Kreidefelsen der dänischen Insel Moen.

"25.000 Kilometer kann man da pro Zweiteiler schon mal unterwegs sein", rechnet Szenenbildner Thorsten Lau vor, der auch für die Motivsuche verantwortlich war. Ein rekordverdächtiger Wert, der sich durchaus gelohnt hat. "Das Mädchen am Strand" ist vielleicht nicht der innovativste deutsche Krimi des noch so frischen Jahres, aber sicher einer der am schönsten aussehendsten.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH