Die Fans von "Sherlock" müssen sich – mal wieder – gedulden. Um die Wartezeit auf neue Folgen zu verkürzen, wiederholt 3sat die vierte Staffel, die es inhaltlich und stilistisch auf die Spitze treibt.

Nur gut, dass der Brexit keine Auswirkungen auf den Festlandexport britischer Serienware hat. Nicht auszudenken, wie die deutschen "Sherlock"-Fans reagieren würden, wenn die Abenteuer des von der BBC in die Jetztzeit gebeamten Conan-Doyle-Detektivs hierzulande gar mehr nicht ankämen. Doch auch ohne den langwierigen EU-Austritt muss sich das Publikum nach der vierten Staffel von 2017 abermals auf eine lange, lange Pause einstellen. Bereits zu deren Premiere lag eine Wartezeit von drei Jahren hinter den "Cumberbitches", wie sich die Fans von Sherlock-Darsteller Benedict Cumberbatch nennen. Zur Beruhigung wiederholt 3sat die bislang letzten Fälle des soziopathischen Turbodenkers und seines leidgeprüften Adlatus in drei 90-Minütern zum Jahresbeginn, am 7., 8. und 9. Januar, jeweils um 22.25 Uhr.

Es ist anspruchsvoll nachzuvollziehen und beinahe unmöglich nachzuerzählen, was in den drei lose an Originalmotiven orientierten Geschichten im Stakkato auf den Zuschauer einprasselt. Vor- und Rückblenden, surreale Visionen, fatale Explosionen, und ständig kehrt irgendein Totgeglaubter wundersam auf die Bildfläche zurück. In imposanten Fantasiekulissen erlebt man Sherlock Holmes meistens im Drogenrausch und seinen loyalen Partner Dr. John Watson (Martin Freeman) als gramgebeugten, sorgenvollen Familienmenschen. Als hätten es junge Väter nicht eh schon schwer genug.

In "Sherlock – Die sechs Thatchers" (Dienstag, 7. Januar, 22.25 Uhr), der achterbahngleichen Auftaktfolge der vierten Serienstaffel, steht Watsons junges Familienglück sogleich auf dem Spiel. Während sich Holmes in den kuriosen Fall einer Serie zertrümmerter Margaret-Thatcher-Statuetten verbeißt, wird Watsons Gattin, die Ex-Agentin und frischgebackene Mutter Mary (Amanda Abbington), von ihrer gefahrvollen Vergangenheit eingeholt.

Das Mittelstück der Staffel, "Der lügende Detektiv" (Mittwoch, 8. Januar, 22.25 Uhr), dominiert dann der Charakterkopf Toby Jones ("Die Tribute von Panem") als psychopathischer Geschäftsmann und Schein-Philanthrop Culverton Smith. Im furiosen Finale, "Das letzte Problem" (Donnerstag, 9. Januar, 22.25 Uhr), wartet schließlich ein noch genialerer und bösartigerer Gegenspieler auf den Londoner Meisterdetektiv.

In diesem Sinne erinnert der "Sherlock" der vierten Staffelgeneration an eine Fußballmannschaft, die ihren Gegner mit Kurzpässen schwindelig spielt und auf der Torlinie noch mal keck zurücklegt, um den Ball anschließend mit der Hacke durch die Beine des Schlussmanns zu versenken. Es ist durchweg brillant. Auch ein bisschen arrogant. So wie der Titelheld ja auch. Was sich die Macher mit Personal wie diesem fraglos leisten können. Und wer weiß: Womöglich kommt die fünfte Staffel "Sherlock" ja tatsächlich noch vor dem Brexit.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH