Immer wieder bekam Antje Traue zu hören, ihr Gesicht passe nicht ins deutsche TV. Mehr als ein paar Nebenrollen waren nicht drin. Dann setzte sie alles auf eine Karte und ging aus ihrer Heimat Genthin nach Hollywood. Dort spielte sie an der Seite von Helen Mirren, Jeff Bridges und Kevin Costner – und wurde zum Star. Jetzt ist die 38-Jährige auch hierzulande häufiger zu sehen: in der neuen Crime-Serie "Dead End" auf ZDFneo.

Frau Traue, warum muss man "Dead End" gesehen haben?

Die Geschichte wird vergleichsweise langsam erzählt und spielt mit unseren heutigen Sehgewohnheiten. Regisseur Christopher Schier hat eine morbide Welt, die lakonisch daherkommt, mit einem makaberen Humor inszeniert.

Wie haben Sie sich der Rolle der Forensikerin Emma genähert?

Ich habe mich mit den Aufgaben der Pathologie vertraut gemacht und Gespräche mit Rechtsmedizinern geführt. Der Geruch in der Pathologie war das Schlimmste ...

Wie nah ist Ihnen diese Emma?

Ich habe einige Jahre in Amerika gelebt und gearbeitet. Der 60. Geburtstag meines Vaters hat mich damals, genau wie Emma, für längere Zeit zurück nach Brandenburg gebracht. "Was für ein lustiger Zufall", dachte ich, als ich das Drehbuch las. Mir ist das Scheue an ihr nah und dass sie sich häufig verkannt fühlt. Sie will niemandem gefallen, da konnte ich mir hin und wieder etwas von ihr abgucken.

Was waren die Herausforderungen bei den Dreharbeiten?

Am schlimmsten war der wahnsinnig heiße Sommer. Wir hatten 45 Drehtage, oft bei 40 Grad. Da war das Team sehr gefordert ...

... immerhin wurde "daheim" in Brandenburg gedreht ...

Das habe ich sehr genossen. Ich mag es, am Ende eines Drehtages abends in das eigene Bett zu schlüpfen.

Von Genthin über Hollywood zurück nach Babelsberg ...

Beide Welten zu erleben, ist wichtig für meinen Weg. Hierzulande ist bei Dreharbeiten vieles durch die Budgets sehr limitiert. Bei meinen Filmen in den USA gab es dahingehend kaum Grenzen. Da kann man sich ganz anders austoben. Aber ich liebe es, auch hier zu arbeiten, ich fühle mich anders verbunden mit Dingen wie Humor und natürlich auch der Sprache.

Die Zeit in Los Angeles scheint der Initialfunke für Ihre Karriere ...

Stimmt, da habe ich mich freigespielt und mir das Selbstbewusstsein, das mir in Deutschland etwas verloren gegangen schien, zurückerobert. Ich sage das immer wieder gern über die Amerikaner, dass sie das Schöne an dir finden und nicht ständig die Fehler suchen. Das ist befreiend gewesen.

Einmal Amerika und zurück: Wo ist für Sie Heimat?

Die Frage ist für mich: Was ist Heimat? Irgendwann hatte ich in Amerika eine große Sehnsucht nach Deutschland. Jetzt packt mich beruflich so langsam wieder das Fernweh. Vielleicht ist es ja das Beste, wenn das Gefühl von Heimat in mir selbst zu finden ist.