Wegen eines Schneesturms ist ein heruntergekommenes Hotel am Arlberg von der Außenwelt abgeschnitten. Dann passiert ein Mord. Wie gut, dass unter den Hotelgästen ein Kommissar ist.

Draußen tobt in "Das letzte Problem" ein Schneesturm ums Berghotel "Edelweiß", nur schemenhaft ist der in die Jahre gekommene Bau noch zu erkennen. Drinnen macht sich Missstimmung unter den Gästen breit. Seit Tagen sind sie ohne Handyempfang und Internet, nun bedrängen sie die Besitzerin, sie wollen ihr Geld zurück. Doch die Hotelchefin bleibt hart: Auch wenn es in der Küche nur noch klare Suppe gibt, die Sauna sei intakt, alles sei genauso wie es in der Geschäftsordnung stehe. Ein mürrischer Kommissar aus Wien (Karl Markowics) passt in dieses Bild. Nicht nur, dass er "einen härteren Polster" für seinen Nacken will – er weiß auch schon, dass es auf Zimmer 303 einen Toten gegeben hat, einen Ozeanologen, wie sich herausstellen wird, der viel über Goldfische zu erzählen wusste. Viel mehr als andere Lebewesen könnten die erkennen, Infrarot-Frequenzen ermöglichten ihnen womöglich sogar, Geister zu sehen. Nachdenklich starrt der Kommissar aus Wien auf das Aquarium im Vestibül – ist er am Ende auch einer, der Geister sehen kann, oder ist er gar selbst ein Geist?

Während von den Hotelgästen bereits eine Sammelklage erwogen wird, übernimmt Julius Horak, der Kommissar, zusammen mit seinem Assistenten Freitag (Stefan Pohl) den seltsamen Mordfall. Unwirsch weist er die Hotelchefin und die Gäste zurecht. Besonders hat aber sein Assistent nichts zu lachen. Mit bohrenden Fragen versucht er eine Lösung des Falles zu erzwingen. Doch wie konnte der Mörder bei der von innen verschlossener Zimmertüre ein und aus gegangen sein?

Es ist eine Whodunit-Situation erster Güte, in der wir uns somit befinden. Doch nicht Agatha Christie ist diesmal zuständig für die Autorenschaft, sondern kein Geringerer als Bestsellerautor Daniel Kehlmann ("Die Vermessung der Welt") mit einem ersten "Originaldrehbuch" für ORF und ARTE. Obwohl es sehr bald einen weiteren Mord gibt – diesmal trifft es eine Bankerbin, die "lustige Witwe" von Zimmer 302 (Sunnyi Melles), die beim kargen Suppenmahl so gerne mit anderen Gästen fusselt -, kommt Kommissar Horak kaum voran. Geradezu genüsslich verstrickt er sich in Wortklaubereien und Vorurteilen bei seinen Recherchen.

Selbst die Erkenntnis, dass die Balkontüre vor dem Hinaustreten von innen zu verschließen war, hilft ihm letztlich nicht weiter. Im Gegenteil: Beim Selbstversuch findet sich der umgehende Kommissar hilflos im Schneesturm vor der Balkontüre wieder.

Er habe nur "fünfzig Prozent" seiner Zeit als Regisseur zur Verfügung gehabt, berichtete Karl Markovics, hier Hauptdarsteller und Regisseur in Personalunion, von den Dreharbeiten. Das mache ihm aber gar nichts aus. Er möge es ohnehin lieber ein wenig "schlampig", wenn "die Dinge nicht so klar auf einen Punkt zugeordnet" seien. Herausgekommen ist bei all dem ein Film, der herrlich zwischen Krimikomödie und Psychodrama balanciert. Markovics zeigt auch in diesem "Landkrimi", dem zweiten aus Vorarlberg, sein ganzes schauspielerisches Können. Spätestens, als die unnahbare Landpolizistin Landner (Julia Koch) im Schneesturm vom Tal her naht, sieht sich Horak in die Enge getrieben. Ab sofort ist sein napoleonisches Regiment unter den Hotelgästen bedroht.

Wer jagt hier wen? Die Landner den Horak, der Horak den Freitag, oder am Ende gar Horak sich selbst? Während man solche Nüsse vergeblich zu knacken versucht, darf man sich sehr lange an den komisch-subtilen Wortgefechten des Kommissars vom Wiener BKA erfreuen. Wahn und Wirklichkeit liegen da dicht beieinander. Sie werde "nie mehr" über den grausamen Anblick des Mordopfers hinwegkommen, sagt leichthin das Zimmermädchen. "Und das stimmt, das wird sie nicht", behauptet der Kommissar, der sich offensichtlich auf so was ganz gut versteht. Genüsslich klopfen der Autor Daniel Kehlmann und sein Hauptdarsteller die Begriffe ab und schlagen dabei eine leise Komik heraus. Mag auch die schlagende Pointe in diesem Winterkrimi am Ende fehlen, man hat doch seinen gehörigen Spaß daran.

Das letzte Problem – Fr. 31.01. – ARTE: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH