Drama bei 3sat

Gotthard-Tunnel forderte viele Opfer: "Alle sechs Meter liegt ein Mensch"

von Hans Czerny

In Urs Eggers historischem Zweiteiler "Gotthard" (2016) wird nicht nur die aufregende Geschichte des schwierigen Tunnelbaus unter dem Gotthardmassiv im 19. Jahrhundert, sondern zugleich eine Familien- und Liebesgeschichte zwischen teils historischen, teils fiktiven Figuren erzählt.

3sat
Gotthard (1)
Drama • 24.07.2020 • 20:15 Uhr

Es war zu seiner Zeit der längste Eisenbahntunnel der Welt, und er kam unter schwierigsten Bedingungen zustande. Als der Genfer Bauunternehmer Louis Favre im August 1872 den Vertrag zum Bau des Gotthard-Tunnels unterzeichnete, wusste er nicht, welche ungeheuren Hindernisse auf ihn zukamen.

Nachdem am 28. Februar 1880 nach acht Jahren der Durchbruch und damit die Verbindung von Göschenen im Norden und Airolo im Süden geschafft war, hatten nahezu 200 Arbeiter im Stollen selbst ihr Leben gelassen, 2500 starben an Seuchen, Unfällen und den Folgen von Streiks. Favre selbst erlebte den Durchbruch nicht mehr, er starb bei einer Besichtigung im Tunnel im Juli 1879 an einem Herzinfarkt.

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Der zweiteilige Spielfilm, der rechtzeitig zum neuen Tunnelbau von 2016 seine Premiere feierte und jetzt bei 3sat wiederholt wird, reichert die an sich bereits aufregenden Umstände des historischen Durchbruchs mit fiktiven persönlichen Schicksalen an. So ringen nun im Film der angehende deutsche Ingenieur Max und Tommaso, ein Mineur aus dem Piemont, um die Fuhrmannstochter Anna, die eine Pension für die Arbeiter aus den verschiedensten Ländern eröffnen will. Aber auch das Duell zwischen Louis Favre und dem skeptischen Politiker Alfred Escher kommt nicht zu kurz in dieser aufwendigen, elf Millionen Schweizer Franken teuren Koproduktion von SRG, ORF und ZDF.

2500 Komparsen und zahlreiche Special Effects halfen dabei, die Szenen von damals zu neuem Leben zu erwecken, die Hauptrollen spielen Maxim Mehmet (Max), Miriam Stein (Anna) und Pasquale Aleardi (Tommaso).

"Für einen Tunnel von 15 Kilometern Länge starben rund 2500 Menschen an der Folge der Seuchen, des Aufstands oder durch Arbeitsunfälle", sagt Drehbuchautor Stefan Dähnert zur Historie. "Alle sechs Meter liegt also ein Mensch, der Träume hatte, eine Familie ernährte und geliebt wurde." Aber am Ende zählen dann doch das Happy-End und das Überleben. Den zweiten Teil zeigt 3sat am Freitag, 31. Juli, 20.15 Uhr.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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