Youssefs Cousine Jamila soll zwangsverheiratet werden, doch beim Henna-Abend wird der deutsche Bräutigam mit Baseballschlägern entstellt. Bald darauf finden Youssef und seine Detektivkollegin die "Füchsin" Jamilas heimlichen Liebhaber – tot.

Tolle Idee, haben sich die Macher und der Autor (Ralf Kinder) des Donnerstags-Krimis "Die Füchsin" wohl gedacht: eine ehemalige Stasi-Agentin aus der DDR mit einem Marokkaner und dessen illustrer Großfamilie zusammenzuführen. Es würde Leben in die Bude bringen. Hier die traurige Ex-Spionin Anne Fuchs (Lina Wendel), die lange vergeblich den einst von der Stasi entführten Sohn zu finden versucht. Dort der sympathische Marokkaner mit dem Händlerwesen im Blut samt Frau und dem gemeinsamen Caférestaurant. Das ergibt einen Bekanntenkreis, aus dem im gefühlten Minutentakt mal dieser, mal jener aus dem Leben gerissen wird. Zudem ist dann das viel gepriesene "horizontale Erzählen" über mehrere Folgen hinweg kein Problem.

In der vierten Folge der Reihe, "Im goldenen Käfig", soll die Cousine des Marokkaners Youssef (Karim Cherif) zwangsverheiratet werden, die Heirat ist gut für das Geschäft des Onkels. Der Schwiegervater, so hört man, ist sein größter Lieferant. Doch dann dringen finstere Anzugträger mit Baseballschlägern in die Vorbereitungszeremonie ("Henna-Abend") ein und knüppeln den Bräutigam nieder. 

Dem Vater des Bräutigams liegt viel daran, die Täter herauszufinden. Anne Fuchs, stets nur ehrfürchtig "Die Füchsin" genannt, wittert da für sich und Partner Youssef ein gutes Geschäft: "1.000 Euro" nennt Youssef als Kostenvorschlag, und sie fügt hinzu: "am Tag." Anne hat, wie sie auch gleich erläutert, im Kapitalismus gelernt: Die Nachfrage regelt das Angebot. Wenige Umtriebe weiter stoßen Anne und Youssef dann auf einen Toten, es ist der heimliche Liebhaber der Braut. Ein Rucksack für die Flucht in die Ferne war längst gepackt.

Tragische Geschichte passt nicht zur Komik

Es ist nun doch eine sehr verquälte Geschichte, die hier erzählt wird, von Korruption und miesen Geschäften, es geht um SED-Gelder, die zur Wendezeit verschoben wurden. Anne, die Ex-Spionin, hat da so ihre Informanten aus alten Zeiten. Sie finden sich auch im Düsseldorfer Ministerium. Dass ausgerechnet der Liebhaber der Braut, Betriebsratsgründer einer Cateringfirma namens "Veggieco" und offenbar unbeugsamer Sozialdenker, als Whistleblower in den Mittelpunkt rückt, verdankt man vor allem der am Catering-Fließband notwendigen Maskerade. Zu drollig sieht doch Anne, die Ex-Spionin, unter ihrem weißen Schirmmützchen aus.

An ihren besten Stellen zielt die Reihe ohnehin immer wieder auf Humor und Komik ab – sei es, dass Youssef Anne zur Henna-Zeremonie ein buntes Kopftuch andrehen will (vorbeugende Antwort: "Ich kaufe nichts!"), sei es, dass ein offener Türspalt für Youssef dazu reicht, den Toten im Inneren zu erahnen. Und immer wieder kommt ja auch als Running Gag der nervige Kommissar Eisner (Robert Dölle) den durchaus sympathischen Düsseldorfer Detektiven in die Quere. Ein Hase-und-Igel-Spiel, bei dem die beiden stets obsiegen.

Doch vor allem die tragische Geschichte von Annes verlorenem Sohn, der des Mordes an seinem Vater beschuldigt wird, will nicht so recht zu der ansonsten recht unbekümmerten Pulpfiction passen. Anne versucht, mit einer Notwehr-Begründung den im Gefängnis einsitzenden Sohn zu entlasten, der aber in einem sehr knappen Prozess ein schroffes "Lebenslänglich" bekommt. Ein Film im Film, der eher wie aus dem Ärmel geschüttelt wirkt. In diesen Mutter-Sohn-Momenten stößt selbst die in der Regie von Sabine Derflinger (ORF-Serie "Vorstadtweiber") sonst so überzeugend selbstironisch wirkende Hauptdarstellerin Lina Wendel an Grenzen der Glaubhaftigkeit. Wie überhaupt das Ganze allzu sehr zwischen Ulk und Ernsthaftigkeit schwank. (Fortsetzung am Donnerstag, 14. Oktober, 20.15 Uhr.)


Quelle: teleschau – der Mediendienst