Zwölf Jahre lebte Schauspielerin und Filmemacherin Maryam Zaree ("Tatort", "4 Blocks") im Unwissen über ihre eigene Familiengeschichte. Bis eine Tante ihr von ihrer Geburt erzählte. "Meine Eltern haben einfach keinen Weg gefunden, mir das zu sagen", berichtete Zaree am Dienstagabend einer sichtlich bewegten Talkrunde im "Kölner Treff".

Man kennt ihr Gesicht aus der Erfolgsserie "4 Blocks" oder auch aus dem Berliner "Tatort", in dem Maryam Zaree bis vor Kurzem die Rechtsmedizinerin Nasrin Reza spielte. Die Familiengeschichte der 36-jährigen Schauspielerin, Filmemacherin und Autorin dürfte jedoch den wenigsten bekannt sein. Dabei ist sie bewegender und erschütternder als jeder Fernsehkrimi, wie Zaree am Dienstagabend als Talkgast im "Kölner Treff" im Ersten offenbarte.

Im Alter von zwei Jahren floh Maryam Zaree aus dem Iran nach Deutschland. Alleine mit ihrer Mutter wuchs sie in Frankfurt am Main auf, während der Vater als politischer Häftling im Teheraner Gefängnis "Evin" verblieben war. Das sei ihr als Kind jedoch nicht bewusst gewesen. "Ich wusste, dass er nicht bei uns sein konnte, aber ich hatte keine wirkliche Vorstellung davon, wo er war", erinnerte sich Zaree im Gespräch mit Moderatorin Bettina Böttinger.

Zwar konnte der Vater dem Erhängen entgehen und später sogar nach Deutschland nachkommen, über ihr eigenes Schicksal wurde sie jedoch erst im Alter von zwölf Jahren durch einen Zufall aufgeklärt: "Einer Tante, die in Frankreich lebt, ist es rausgerutscht. Da habe ich erfahren, dass ich in einem politischen Gefängnis geboren bin." Ihre Eltern hätten "einfach keinen Weg gefunden, mir das zu sagen", berichtete Zaree einer sichtlich berührten Talkrunde, der unter anderem auch die "Tatort-Schauspieler Ulrich Tukur und Margarita Broich angehörten. "Man will seinem Kind natürlich ein lebensbejahendes Bild von der Welt vermitteln. Da ist es schwierig zu sagen: 'Du bist in einem der schlimmsten Foltergefängnisse der Welt geboren.'"

Aufgearbeitet hat die Künstlerin ihre Geschichte in einem Dokumentarfilm. "Die Täter sind nach 40 Jahren noch an der Macht. Es haben Massenhinrichtungen stattgefunden, Menschen wurden entwürdigt, gefoltert und ermordet. Es hat keine Aufarbeitung stattgefunden", erklärte sie im "Kölner Treff" die Folgen der "Islamischen Revolution" und ihre Motivation an der Arbeit zu "Born in Evin". Darüber hinaus sei es ihr ein Anliegen gewesen, "davon zu erzählen, was es bedeutet, wenn innerhalb der Familie nicht gesprochen werden kann. Es ist wichtig, diese Verdrängung nicht fortsetzen." Während der vier Jahre andauernden Dreharbeiten habe es sie "geprägt, in diese Abgründe zu schauen, darin aber auch wieder Schönheit zu finden".

"Born in Evin" startet am 17. Oktober in den ausgewählten deutschen Kinos. Bei der Berlinale wurde der Film mit dem "Kompass-Perspektive-Preis" ausgezeichnet.


Quelle: teleschau – der Mediendienst