Ein abgehalfterte Rockstar soll durch seinen Doppelgänger ersetzt werden, einen harmlosen Bauern. Leider strotzt die Komödie mit Sebastian Bezzel in einer Doppelrolle nur so vor Klischees.

Für den Schauspieler Sebastian Bezzel läuft es derzeit ausgezeichnet. Fast möchte man sagen, seit dem Ende seines Bodensee-"Tatorts" vor drei Jahren, wo der mittlerweile 48-Jährige einst den jungen arroganten Kommissar Perlmann spielte, startet der gebürtige Bayer so richtig durch. In der Regel im Komödienfach. Am prominentesten sind seine Eberhofer-Krimis, von denen der sechste – "Leberkäsjunkie" – im Sommer vom Stapel lief. Weil Bezzel den charmanten Frust-Normalo mit Dackelblick und Dauermelancholie mit einer gewissen Männlichkeit paaren kann, ist er derzeit erste Wahl für eine Doppelrolle wie in der ARD-Samstagskomödie "Echte Bauern singen besser".

Bezzel spielt den Brandenburger Bauern Sven Gose, dessen verblüffende Ähnlichkeit mit dem abgehalfterten Rockstar Alexander Gromberg (ebenfalls: Sebastian Bezzel) dessen verzweifelte Managerin Franzi (Susanne Bormann) auf die Idee bringt, den bankrotten Star durch einen Doppelgänger zu ersetzen. So soll Grombergs Plattenfirma davon überzeugt werden, mit dem Drogenwrack einen Comeback-Versuch zu starten.

Für Bezzel mag diese Rolle verlockend geklungen haben. Während er als liebenswert schüchterner Bauer mit (gescheiterter) Musikervergangenheit den angesprochenen Dackelblick aufsetzen darf, kann er als Gromberg die Sau rauslassen. Bei ihm wird alles durch die Nase oder den Mund gezogen, was irgendwie "turnt". Man darf laut Drehbuch Gott und Welt aufs Derbste beleidigen, eine platinblonde Billy-Idol-Gedächtnisfrisur tragen, und eine Fantasie-Uniform gab's obendrein. Das alles hört sich an, wie eine Komödienidee von der Stange – und ist es leider auch.

Drehbuchautor Arndt Stüwe schrieb zuvor für Serien wie das Schweighöfer-Vehikel "You Are Wanted" oder die zum Teil recht gelungene VOX-Dramedy "Milk & Honey". Regie führte Komödienspezialist Holger Haase ("Männertag"). Ihre Verwechslungskomödie mit zahlreichen Rockstar-Klischees kommt so abgenutzt daher, wie ein Radio-Hit, der einen deshalb nervt, weil man ihn schon tausend Mal gehört zu glauben scheint.

Doch nicht nur die Details aus dem Rockstar-Leben wirken abgenutzt, sondern auch die charakterlichen Entwicklungen, die den (Anti)Helden hier auf den Leib geschrieben wurden. Müsste man raten, wie sich das Leben der beiden Doppelgänger über 90 Minuten entwickelt, würde man annehmen, dass der schüchterne Bauer eine zunehmende Emanzipation vom scheuen Selbst erführe, was ihn seine bescheidenen geheimen Träume plus ein romantisches Coming Out verwirklichen ließe. Und der fiese Rockstar? Er müsste eine Läuterung durch harte Erfahrungen durchmachen – vielleicht in der Psychiatrie – und dadurch wieder ins echte Leben und zu den "kleinen" Leuten, seinen Fans, zurückkehren. Es dürfte nicht zu viel verraten werden, wenn man andeutet: ja, leider kommt es in diesem Film genau so.

Insofern chargiert sich Sebastian Bezzel 90 Minuten lang mutig durch unvorteilhaften Posen, man kann die stets ein wenig übersehene Susanne Bormann mal in einer Hauptrolle betrachten, die sie charmant ausfüllt, und doch muss konstatiert werden: Alles an diesem Film, inklusive der Musik, die man dem Pop-Punker Gromberg auf den Leib schneiderte, ist ein Rock- und Komödienklischee. Statt diese ARD-Komödie zu schauen, sollte man lieber mal wieder ein gutes Rock-Album hören oder einen der gelungenen, ja wunderbaren Film über Menschen im Rockbusiness wie "Almost Famous – Fast berühmt" (2000), "Still Crazy" (1998) oder "The Commitments" (1991) sehen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst