Patrick will auf Island heiraten, bei dieser Gelegenheit will seine Mutter ihm beichten, dass sie mittlerweile mit seinem besten Freund liiert ist. Doch sie bekommt Muffensausen – genau wie die Braut. Eine Fremdenverkehrskomödie ...

Das waren noch Zeiten, als man einfach mal so, ganz ohne Gedanken an die Klimakatastrophe, nach Island flog, um zu heiraten. Oder um, statt zu skypen, die neuesten Probleme eines noch jungen Fahrradhandels aus Hamburg zu besprechen. Damals brachen noch die Vulkane aus und sprühten wie schon zuvor der Eyjafjallajökull 2010 den Feinstaub in die Luft, dass es eine Wonne war und nur vorübergehend keine Flugzeuge mehr flogen.

Doch der Reihe nach: Patrick (Ben Blaskovic) will auf Island heiraten, als Gast kommt selbstredend auch seine Mutter eingeflogen. Als Begleitung hat sie – ausgerechnet – Patricks besten Freund seit Kindertagen dabei. Inzwischen ist er ihr Lover. Sie will es endlich ihrem Sohn gestehen. Doch die Skrupel sind groß. Immer wieder hindert sich Mutter Claudia (Ann-Kathrin Kramer) selbst daran, kommt ihr irgendwie das Gewissen in die Quere. "Verliebt auf Island" ist dieser neue Freitagabendfilm im Ersten überschrieben.

Gefühlt an die Dutzend Mal setzt Claudia zu ihrem Geständnis an, bespricht es mit ihrem Verlobten. Geht nicht – oder geht doch? Gleich vorweg: Der Altersunterschied spielt kaum eine Rolle, das Macron- oder Heidi-Klum-Thema wird nicht verbalisiert, man ist schließlich auf der Höhe der Zeit. Erst spät darf Ann-Kathrin Kramer graue Schläfen zeigen, da ist aber die Sache bereits im Lot, wird der Einheimische zum finalen Sprung übers Feuer bitten. Der Liebste mit der Liebsten – ein offensichtlich paneuropäischer Brauch.

Aber bis dorthin muss sich die arme Claudia immer wieder kommentierend aus dem Off erklären. Und sie übertreibt dabei nicht schlecht. "Wenn ich geahnt hätte, was das Schicksal sich hier für mich ausgedacht hat, ich hätte das niemandem geglaubt." Dabei weiß der Zuschauer ja dank der treuherzigen Kommentare bereits alles, was er wissen muss: dass Patricks Jugendfreund Alex (Ferdinand Seebacher) und sie ein Paar sind, aber auch, dass Patricks Verlobte ihn per Handy im letzten Augenblick sitzen ließ. Man hat es also die ganze Zeit über mit zwei Bräuten, die sich nicht trauen (wollen) zu tun.

Im Film gibt's jede Menge Sightseeing mit "Troll Tours", mit Planschen in heißen Quellen und eruptierenden Geysiren, die auf Kommando eines selbst ernannten Reiseführers, eines griesgrämig besserwisserischen deutschen Steuerprüfers hören. Gerhardt (Hans-Joachim Heist) wirkt in seinem redseligen Überschwang als Running Gag zuweilen wohltuend in dieser Doppel-Liebesaffäre, die letztlich ohne Umschweife schnurgerade aufs Happy End zusteuern muss.

So wird aus dem Hochzeits-Reisejournal (Regie: Nico Sommer, Drehbuch: Matthias Dinter) eine Art Traumschiff-"Reise ins Glück". – Die boomende Reiseinsel Island bekommt Werbung, die sie eigentlich gar nicht mehr braucht. Dass die Hamburger Start-up-Fahrradlieferanten aber im Film wie sonst nur die Chinesen über die Insel kommen und hierzu schon den Segen des Bürgermeisters von Reykjavik ergattert haben, sollte tunlichst im Bereich der Sagen bleiben.


Quelle: teleschau – der Mediendienst