"Geschichte im Ersten"

"Digitale Verlustzone" – Wie Deutschland die Digitalisierung verpennt hat

von Christopher Schmitt

Ist Deutschland ein Land der Bremser und Denker? Eine ARD-Doku zeigt, dass es hierzulande genug geniale Visionäre rund um das Internet gab. Dennoch ist Deutschland in Sachen Digitalisierung ein Entwicklungsland. 

ARD
Geschichte im Ersten: Digitale Verlustzone
Dokumentarfilm • 26.05.2020 • 00:00 Uhr

Die norwegische Inselgruppe der Lofoten befindet sich über einhundert Kilometer nördlich des Polarkreises. Dort gibt es noch unberührte, schneebedeckte Natur zu bestaunen, entlegene Dörfchen aus Holzhütten versprühen eine unaufgeregte Romantik. Dort gibt es Tourismus, Fischfang und seit 30 Jahren auch Straßen und Brücken. Und das Internet, das 2000-mal schneller ist als der deutsche Durchschnitt. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel dafür, wie sehr Deutschland die Digitalisierung verpennt hat. Im sehenswerten Dokumentarfilm "Geschichte im Ersten: Digitale Verlustzone" von Andreas Orth, den die ARD erstmals zeigt, reihen sich deutsche Pannen, Peinlichkeiten und verpasste Chancen in Sachen digitalem Fortschritt aneinander.

Demnach könnte man es schon fast als hiesige Tradition bezeichnen, geniale Vordenker und Visionäre der Digitalisierung auszubremsen. Pionier Konrad Zuse baute nicht nur den ersten Computer weltweit, sondern er setzte ihn bereits im Jahr 1947 dazu ein, um im Allgäu Milchpreise zu berechnen. In Deutschland interessierte man sich kaum für den "Zauberkasten", obwohl dessen Grundprinzip bis heute gültig ist. Später lehnte das Deutsche Patentamt die heute als Computermaus weltbekannte Rollkugelsteuerung ab, deutlich später wurde beim MP3-Format ähnlich verfahren. Selbst ein deutsches Google hätte es vor dem Aufstieg des Suchmaschinen-Riesen geben können. Es blieb beim Konjunktiv.

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Für die Dokumentation werden zudem regelrechte Schätze aus dem Archiv gehoben – beispielsweise die Diskussion zwischen dem damaligen Kanzler Helmut Kohl sowie dem ehemaligen Deutschlandchef von Microsoft. Auch wenn mit der international erfolgreichen Software-Firma SAP auch noch ein Positiv-Beispiel in "Digitale Verlustzone" Platz findet, sorgt der Staatsdilettantismus in Sachen Digitalisierung für ungläubiges Kopfschütteln. Und während eine Lachsfarm auf den Lofoten sich mit aus Oslo gesteuertem Laser-Beschuss unliebsame Schädlinge vom Leib hält, können die Bewohner manche Landstriche in der deutschen Provinz froh sein, wenn sie auf einem Online-Portal einen Artikel wie diesen aufrufen können.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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