28.08.2020 "Die Toten vom Bodensee"

Nora Waldstätten – die Geheimnisvolle

von Marcus Italiani
Ermittlerduo Hanna Zeiler (Nora Waldstätten) und Micha Oberländer (Matthias Koeberlin).
Ermittlerduo Hanna Zeiler (Nora Waldstätten) und Micha Oberländer (Matthias Koeberlin).  Fotoquelle: ZDF / Patrick Pfeiffer

Die Geheimnisvolle Verschlossen, tiefgründig, misstrauisch – Kommissarin Hannah Zeiler lüftet seit mittlerweile sechs Jahren die Geheimnisse der „Toten vom Bodensee“. Ihr Blick ist stets fragend und ebenso geheimnisvoll wie unergründlich. Eine Rolle, die der Wiener Schauspielerin Nora Waldstätten auf den Leib geschneidert zu sein scheint. Auch in der aktuellen Folge „Blutritt“ ist die soziale Distanziertheit der Protagonistin wieder der eigentliche Star des Films.

TV-TIPP

"Die Toten vom Bodensee – Blutritt"

Montag, 7. September

20.15 Uhr

ZDF

Ein Teil ihres Charakters hat sicherlich mit der Aura des Ortes der Handlung zu tun. Mehr als 100 Tote sollen auf dem Grund des Bodensees liegen. Machen solche Mythen eigentlich etwas mit einem, wenn man in einer Serie mit diesem Titel die Hauptrolle spielt? "Unsere Reihe thematisiert oft das Mythische rund um den Bodensee. Und der See hat ja auch in einem Moment etwas ganz Bezauberndes, wenig später zieht ein Unwetter auf, nun hat er etwas geradezu Bedrohliches, und wieder etwas später wirklich atemberaubend schöne Sonnenuntergänge", sagt die Schauspielerin.

So wie sich die Stimmung rund um das berühmte Gewässer stetig ändert, so entwickelt sich auch Hannah Zeiler in jeder neuen Folge ein wenig. "Der private Erzählstrang von Hannah Zeiler entwickelt sich in 'Blutritt' weiter. Es ist eine schöne schauspielerische Reise, Hannah, die am Anfang eher ein hermetisch abgeschlossener Raum war, dabei zeigen zu können, wie sie mehr und mehr aufmacht und versucht dem Leben vertrauend zu begegnen, dabei aber auch immer wieder an ihre eigenen Grenzen stößt",erklärt Waldstätten, der die soziale Distanziertheit ihrer Heldin durchaus zu liegen scheint. "Ich finde es schauspielerisch eine spannende Herausforderung. Vor allem die Frage: Wie kam es überhaupt bei Hannah zu dieser Distanziertheit? Und da spielt sicher ihre schwierige Familiengeschichte hinein, die ihr jegliches Vertrauen ins Leben genommen hat. Aber durch die Freundschaft zu ihrem Kollegen Oberländer lernt sie mehr und mehr ihm und somit dem Leben zu vertrauen", sagt sie.

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Die Frage, warum man sie aber auch im realen Leben oft für unnahbar hält, lässt die Wahl-Berlinerin dann doch schmunzeln. "Es überrascht mich schon, dass Rolle und Privatperson so durcheinandergebracht werden. Aber das passiert ja häufig und nicht nur mir. Mein Weg, damit umzugehen ist, mich nicht groß damit zu beschäftigen, was andere in mich hineinprojizieren. Und solange die Reaktion ist, wenn ich jemanden neu kennenlerne, ob im Supermarkt, im Interview oder auf einer Party, 'Sie sind ja gar nicht so unterkühlt wie Ihre Rollen, sondern ganz nahbar', bin ich ganz entspannt."

Ein Grund, etwas anderes in Nora Waldstätten zu sehen, als sie tatsächlich ist, könnte unter anderem in der für viele irritierenden Aneignung eines Adelsprädikats vor einigen Jahren begründet liegen. Denn Nora Waldstätten stammte ursprünglich von den Freiherren von Waldstätten ab. Ihre Familie musste das Adelsprädikat "von" allerdings durch das Adelsaufhebungsgesetz von 1919 ablegen. Waldstätten: "Ich kann die Frage, warum ich mich entschieden habe, meinen Künstlernamen zu verändern, gut nachvollziehen. Ich habe das 'von' mit Anfang 20 hinzugefügt, weil ich fand, dass es schön klang, einen guten Rhythmus ergab und habe mir nicht so viele Gedanken darüber gemacht, welche Assoziationen das "von" hervorrufen kann. Ich merkte aber über die Jahre mehr und mehr wie unstimmig es war und bin sehr froh, dass ich mich dazu entschieden habe, es wegzulassen."

Verzichten kann sie auch auf allzu langweilige Rollenangebote: "Eine eindimensionale Rolle würde ich nicht spielen. Mich interessieren komplexe, herausfordernde, mutige Rollen. Gerne würde ich auch wieder etwas Komödiantisches spielen. Dafür bin ich Josef Hader und Lars Becker unglaublich dankbar, weil sie genau das auch in mir gesehen und gefördert haben", sagt die Schauspielerin, die auch bei der Entwicklung ihres Charakters in "Die Toten vom Bodensee" durch Drehbuchautor Timo Berndt schon im Frühstadium involviert ist. "Seit einigen Jahren haben wir eine gemeinsame Leseprobe vor Beginn der Dreharbeiten. Da sind dann der Autor, die Regie, unsere Produzentin, meine Kollegen Matthias Koeberlin, Hary Prinz und ich dabei. Wir diskutieren zusammen über die anstehenden Filme. Das sind immer sehr interessante und produktive Drehbuchbesprechungen."

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