Endlich ging es mal um Mark Forster. Am Dienstagabend bei "Sing meinen Song" durfte der Berliner zwar nicht mehr moderieren, aber dafür wurde ihm und seinem beachtlichen Werk den ganzen Abend lang gehuldigt. "Hitmonster" nannte die eigentlich eher unaufgeregte Judith Holofernes ihn. Und da hat sie recht: Bei Mark Forster denkt man zuerst einmal an jede Menge Moneten, eine Menge Erfolg und Sichtbarkeit im Fernsehen. In gefühlt der Hälfte der Castingshows hält der 34-Jährige vom Jurorensessel aus seine Hipsterbrille und den Kuschelbären-Bart in die Kamera. Der wird bestimmt mal, wenn er älter ist, der gute alte Talkshow-Opa, den die ganze Nation mag.

Wobei: Was wissen wir eigentlich über Mark Forster? Herzlich wenig, der Sänger hält sein Privatleben gut unter Verschluss. Was wir zu sehen bekommen: Einen Mann mit einem ziemlich normalen Gesicht, einer Käppi, schwarz umrandeter Brille, einem Rundschal. Ein Stil, der niemandem wehtut und mit dem auch meine Oma einverstanden ist. Die Musik passt dazu, mag jeder. Läuft im Radio rauf und runter. Mark Forster ist die perfekte Figur im Showbusiness, ein zuverlässiger Hitgarant in Sachen Musik und eine unterhaltsame Figur fürs Fernsehen. Hinter diese Kunstfigur Mark Forster zu gelangen, schafft selbst die herzlich-authentische Abendrunde bei "Sing meinen Song" nur ein kleines bisschen.

Das Hitmonster braucht keine Pause vom Showbusiness

Er ist mal den Jakobsweg gegangen. Das hat ihn verändert. Er ist katholisch aufgewachsen. Es gab einmal eine Fernbeziehung, die er in seinem Song "Zu dir (weit weg)" verarbeitet. An wen dieser Song genau gerichtet ist und wie es mit der Beziehung weitergegangen ist, lässt Forster bewusst offen, sagt er. Wer seine Lieder hört, soll seine eigene Geschichte darin wiederfinden, nicht die von Mark Ćwiertnia aus Kaiserslautern.

Die perfekte Kunstfigur. Alles, was wir sehen, ist der Mark Forster, den wir sehen sollen. Wer kann es ihm verübeln? Rea Garvey coverte bei "Sing meinen Song" Forsters Single "Stimme" und sagte: "Ich wollte ihm damit sagen: Mach mal eine Pause, du machst zu viel." Aber dann habe er Mark in Südafrika näher kennengelernt und gemerkt: Der braucht gar keine Pause. Vielleicht ist das sein Erfolgsrezept. Dadurch, dass er im Rampenlicht eine Rolle spielt, gerät das Privatleben nicht unter die Räder.

Wer Mark Forster wirklich ist, wissen wir immer noch nicht

Show ist es auch, dass Mark Forster mal eben den Reggae-Musiker Gentleman einfliegen lässt, um mit ihm die gemeinsame neue Single "Like a Lion" zu performen. "Mein Freund Gentleman", sagt Mark Forster, aber ein privater Freund ist das nicht unbedingt, sondern jemand, den er einst bei "Sing meinen Song" kennengelernt hat. Aber das ist ja auch egal. Mark Forster ist heute solche eine Größe in der deutschen Musikindustrie, dass er spielerisch Leute wie Gentleman und Felix Jaehn für Singles ins Boot holt.

Heraus kommen dabei schöne Lieder, aus denen bei "Sing meinen Song" am Dienstag ebenso schöne Coverversionen geworden sind: Marian Gold machte aus "Wir sind groß" einen Alphaville-Song, Judith Holofernes sang mit herzzerreißender Kinderstimme "Kogong" und Leslie Clio holte mit ihrer Version von "Auf dem Weg" die Konfetti-Kanone. Nur welche Person hinter der Kunstfigur Mark Forster steht, was sie durchgemacht hat und was sie von der Welt hält, wissen wir jetzt immer noch nicht. Dabei ist es eigentlich die Stärke von "Sing meinen Song", genau das über Musiker herauszufinden.