Wohl kaum ein anderer "Tatort" erregte bei seinem Erscheinen so viel Aufsehen: Wenig Wunder also, dass "Tod im U-Bahnschacht" 23 Jahre lang nicht wiederholt wurde und im "Giftschrank" der ARD sein Dasein fristete. Erst jetzt, im Rahmen der 2017 gestarteten Reihe "Tatort-Classics", wird der skandalumwitterte Berlin-Krimi aus dem Jahr 1975 abermals ausgestrablt. Das RBB-Dritte zeigt ihn spät in der Nacht, am Samstag, 29. Dezember, um 0.55 Uhr.

Legendär kommentiert wurde der als brutal und ausländerfeindlich kritisierte "Tatort" damals auch von Franz-Josef Strauß. Der CSU-Politiker hielt "den gezeigten Film für einen Banditenfilm aus Montevideo mit Bordelleinlage". Er hätte "so was an Unfähigkeit, Dümmlichkeit, Geschmacklosigkeit und Verhöhnung der Berliner Polizei für unvorstellbar gehalten", so Strauß. Vom damaligen SFB-Intendanten Franz Barsig forderte er: "Stellen Sie doch bitte diesen Unfug sofort ein." Fun Fact: Das Telegramm soll Strauß damals von New York aus verfasst haben, als ihn gerade eine Prostituierte begleitete. "Tatort"-Erfinder Gunther Witte erklärte zu den Strauß-Zitaten 2017 in einem Interview: "Wir haben uns köstlich amüsiert."

In der Tat allerdings erzählte der "Tatort" nach dem Drehbuch von Peter Stripp und unter Regie des inzwischen verstorbenen Wolf Gremm von illegal eingewanderte Türken, die von der Ausländerpolizei in Berlin gejagt werden. Ein türkischer Schwarzarbeiter kommt ums Leben und auch die Polizei hat einen weiteren Toten zu verantworten. In der Hauptrolle: Martin Hirthe als Hauptkommissar Schmidt. Viele Klischees über Ausländer reproduzierte der "Tatort" – neben den brutalen Szenen ein Grund, den Film "verstauben" zu lassen.

Der Sender Freies Berlin (SFB) wiederholte "Tod im U-Bahnschacht" 17 Jahre lang nicht. Erst 1992 und 1995 lief die Skandal-Episode abermals. Seither wagten sich weder ARD noch die Dritten an eine Ausstrahlung.


Quelle: teleschau – der Mediendienst