Im Boxerdrama "Southpaw" aus der Feder von "Sons of Anarchy"-Erfinder Kurt Sutter verkörpert Ausnahmeschauspieler Jake Gyllenhaal die Box-Urgewalt Billy Hope. Dieser verliert gleich in der ersten Filmhälfte alles, was ihm lieb und teuer ist und versucht sich anschließend wieder ins Leben und an die Weltspitze zurückzukämpfen. Der Film präsentiert sich als Mischung aus Charakterstudie und Familiendrama, wobei den Machern vieles gelingt – aber längst nicht alles. ProSieben zeigt das wuchtige, aber klischeebehaftete Sportlerdrama als Free-TV-Premiere.

Billy, den sie "The Great" nennen, kommt als Waisenkind aus dem New Yorker Problemviertel Hell's Kitchen von ganz weit unten und hat sich mit 43 Siegen in Folge nach ganz oben gekämpft: Er ist Weltmeister im Halbschwergewicht und darf seinen Titel gleich in den ersten Minuten des Films ein weiteres Mal verteidigen. Dass Gyllenhaal für diese Rolle, die ursprünglich Rapper Eminem zugedacht war, monatelang intensiv trainierte, glaubt man angesichts der beeindruckenden Bilder sofort.

Diesen Billy Hope richtig anzupacken, damit hat er allerdings seine Probleme: Seine Figur wirkt oft überzeichnet, was in einem Film mit ausgeprägtem Realismus-Anspruch besonders schmerzt und letztlich auch Regisseur Antoine Fuqua ("The Equalizer", "Training Day") anzukreiden ist. Die Action im Ring weiß Fuqua mitreißend zu inszenieren, bei der Führung seines Stars lässt er aber immer wieder das nötige Feingefühl vermissen. Bis Gyllenhaal endlich in die Rolle und zu gewohnter Stärke findet, ist der halbe Streifen vorüber.

Karriere im Eimer

Da ist Billy Hope, was etwas überdramatisch vonstattengeht, übrigens schon wieder ganz unten. Drehbuchautor Sutter kennt keine Gnade mit seinem Helden, verpasst ihm einen Tiefschlag nach dem anderen: Bei einem Handgemenge mit einem Herausforderer wird Billys Ehefrau Maureen (Rachel McAdams) erschossen, dann geht er völlig unerwartet pleite, überwirft sich mit seinem Manager (Curtis "50 Cent" Jackson), und wenig später entzieht man ihm auch noch das Sorgerecht für seine kleine Tochter Leila (eine Wucht: Oona Laurence). Nachdem Billy im Ring einen Schiedsrichter attackiert und der Verband ihm eine saftige Sperre aufbrummt, ist schließlich auch die Karriere im Eimer.

Von da an aber geht's wieder aufwärts, für Billy und den Film gleichermaßen. Dafür hauptverantwortlich: Oscarpreisträger Forest Whitaker ("Der letzte König von Schottland"). Als stoischer Coach Titus "Tick" Wills verpasst er dem Streifen nicht nur eine wohltuende Erdung, sondern erklärt sich auch bereit, Billy wieder aufzubauen. Tick bringt dem vormals aufbrausenden Wüterich mit dem titelgebenden "Southpaw Stance" einen völlig neuen Boxstil bei. Und auch menschlich gibt er ihm einen Schubs in die richtige Richtung. Vielleicht kann Billy am Ende sogar seine Tochter und seinen Titel zurückerobern?


Quelle: teleschau – der Mediendienst