Ein Ermittler, der keine psychopathischen Züge trägt, der kein unfehlbarer Profiler ist, der sich nicht um modernen Laborschnickschnack kümmert. Ein Ermittler, der einfach Fragen stellt, unbequeme, zu unpassenden Zeiten: So einen Cop wie Harry Bosch gibt es eigentlich gar nicht mehr im TV. Trotzdem verrichtet er beim Streamingdienst Amazon Prime ab 13. April 2018 schon in der vierten Staffel seinen Dienst. "Bosch" ist auch in den zehn neuen Folgen eine bemerkenswert erlesene Krimiserie, die mit altmodisch wirkendem Erzähltempo sehr intensiv die Schattenseiten des sonnigen Los Angeles erkundet.

Titus Welliver spielt diesen Bosch, über den der Schriftsteller Michael Connelly mehr als 20 Romane geschrieben hat, als grüblerischen Einzelgänger, der stets bedacht ist, sich nicht allzu sehr der gleißenden L.A.-Sonne auszusetzen. Ein typischer Noir-Held ist der Ermittler der Hollywood-Mordkommission, schweigsam, melancholisch, blue by nature, aber auch mit einem ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn ausgestattet, hart in der Sache und zu sich selbst.

Perfekte Mischung

Die Fans lieben diesen eindringlichen Typen. "Bosch" ist seit 2014 bei Amazon auf Sendung und damit eine der langlebigsten Originalserien des Streaminganbieters. Der Erfolg der Serie ist die perfekte Mischung aus Kriminalfällen, Milieustudie und Figurenzeichnung. Nicht nur Bosch selbst hat verschwenderisch viel Raum zur Charakterentwicklung, alle handelnden Personen leben und verändern sich in dieser Serie, die sich in der vierten Staffel eines aktuellen Themas annimmt: willkürlicher Gewalt weißer Polizisten gegenüber Afroamerikanern.

Der Rauch der dritten Staffel, in der Bosch selbst ins Visier einer Mordermittlung geriet, hat sich noch nicht verzogen, als der Mord an einem Bürgerrechtsanwalt das LAPD aufschreckt. Der Tote hatte einen Fall vorbereitet, der sich mit ziemlicher Sicherheit zu einem Politikum mit gewaltsamen Protesten entwickelt hätte. Vier Cops sollen einen farbigen Verdächtigen brutal gefoltert haben, um ihm ein Geständnis in einem Mordfall abzupressen.

Eine interne Ermittlung hatte es schon gegeben, mit einem wenig überraschenden Ergebnis. Dass in den Vereinigten Staaten übergriffige Polizisten nur selten überführt und noch seltener verurteilt werden, kann man in der Tagespresse immer wieder lesen. Bosch aber ist nur der Wahrheit verpflichtet und keinem Korpsgeist.

Das Böse, die Schuld, die Sühne

Dass er sich bei seinem stoischen Ermittlungen nicht unbedingt Freunde auf dem Revier macht, ist Bosch egal. Er nimmt neue Probleme in Kauf, obwohl er selbst genügend alte mit sich rumschleppt. Das Böse, die Schuld, die Sühne – all das lauert in den Schatten Los Angeles', die in Vergangenheit und Gegenwart sein Zuhause sind.


Quelle: teleschau – der Mediendienst