Mag sein, dass draußen langsam Frühling zu werden droht, doch in Nürnberg ist davon nichts zu spüren. In gedämpftem Licht werden da zwei Leichen präsentiert, ein 58-jähriger Libyer und seine Schwester, brutal zugerichtet und abgelegt in einem heruntergekommenen Haus.

Und noch eine dritte Leiche präsentiert "Ich töte niemand" dem noch recht frischen, obwohl schon seit 2015 ermittelnden Duo Ringelhahn (Dagmar Manzel) und Voss (Fabian Hinrichs) aus Franken: Ein Kollege aus dem Betrugsdezernat stirbt im Auto an der Wechselwirkung zweier eigentlich harmloser Medikamente. Und zwischen den drei Toten gibt es eine Verbindung.

Dieser Tatort führt die grausame Tat genauso unvermittelt ein wie all seine Figuren, mittenrein ins Dunkle wirft er den Zuschauer, in menschliche Abgründe und in all die Unvollkommenheiten der Ermittler, aber auch der anderen Figuren.

Vieles der Geschichte versinkt dabei im Dunkeln, im Schwarz der Räume und Landschaften, dokumentiert von einer oft leidenschaftslosen Kamera, die meist nur beobachtet, manchmal aber, begleitet von einem ebenso wechselhaft-grandiosen Soundtrack, zur Beteiligten wird, sich mitten ins Geschehen wirft und den Zuschauer mit hektischen, schnell geschnittenen Bildern torpediert – nur um dann unvermittelt wieder innezuhalten.

Ebenso unvermittelt haben Regisseur Max Färberböck und Autorin Catharina Schuchmann auch die Dialoge geschrieben, roh kommen sie daher, das Lokalkolorit einiger Figuren barsch in den Hintergrund drängend. Und so wenig Ringelhahn und Voss, mit mehr Charakter ausgestattet als noch in den ersten Fällen, diesem Fall an manchen Stellen gewachsen sind, so wenig dürften etliche Zuschauer dieser kunstvollen, meisterhaft gespielten, aber Aufmerksamkeit einfordernden Mischung gewachsen sein. Zu wenig nimmt einen dieser Krimi an die Hand, zu wenig Einführung und Führung bekommen die Rollen und Motive. Das ist großes Kino und ein Fest für Kritiker, sprengt damit für traditionelle Tatort-Fans aber wohl den Rahmen des Sonntagabends.