Zement aber auch – dass da noch niemand draufgekommen ist: einfach mal den jungen Herrn Pfarrer aus dem Lande mit der Dorfhelferin zusammenzuzwingen und ins Pfarrhaus zu setzen, auf dass sie segensreich für die Gemeinde wirken! Konflikte und kleine Alltagsdramen sind da vorprogrammiert, aber eben auch die Klischees. Das ZDF begibt sich mit "Tonio & Julia" nun dennoch auf dieses ziemlich abgedroschene Feld. Da das Ganze auch noch im idyllischsten bayerischen Voralpenland angesiedelt ist, kam ein rechter Herzkino-Wolpertinger dabei heraus – irgendwo zwischen "Pfarrer Braun", Steinerschem Theaterstadl seligen Angedenkens und einer Soap à la "Marienhof". Zunächst gibt's zwei Filme mit Oona Devi Liebich und Maximilian Grill in den Hauptrollen – die nächste "Tonio & Julia"-Episode ist am Donnerstag, 19. April 2018, im Programm.

Der komplikationsresistente Zuschauer nimmt gleich zu Beginn am Auszug einer Therapeutin namens Julia Schindel (Oona Devi Liebich) aus Berlin-Mitte teil, wo sie das Schicksal getroffen hat, mit einem polygam veranlagten Praxis- und Lebenspartner zusammenleben zu müssen. Bald nun wieder daheim im Tölzer Land, wird sie mit ihrem früheren Freund, dem Pfarrer Tonio (Maximilian Grill) konfrontiert, der ihr, der angeblich Unsteten, seine ganze Verachtung entgegenbringt.

Das könnte heiter werden, ist aber derart klischeehaft und holzklappernd konstruiert, dass man dahinter die Parodie eines Heimatfilms vermuten möchte.

Das wiederum hätte sicherlich auch was – doch leider ist dafür viel zu viel Ernst im Spiel. Julia, die zugereiste Therapeutin, kommt nämlich einem von Eisi Gulp gespielten Altbauern auf die Spur, der sich, als hätte er ein Tourette-Syndrom, immer dreimal auf die Brust schlägt, wenn ihn irgendwer in Aufregung versetzt. Justus (Franz-Xaver Brückner), der eigene Sohn, bringt ihn derart in Rage, dass er schließlich gar zum Gewehr in der Ecke greift, um den Aufmüpfigen zur Räson zu bringen. Es geht ihm darum, dessen Freundin, "die Lisa" (Lara Mandoki), aus dem Haus zu haben. Der Bauer hat vor kurzem die Frau verloren, den Sohn will er nun ganz allein.

Gulp macht aus der Partie eine Ganghofer-Nummer. Mit Prügelszenen und Sätzen wie: "I' hob doch bloß di', Bua!" oder: "Man kann sich nur auf sein eigen Fleisch und Blut verlassen!" traktiert er den Sprössling und sprerrt ihn schließlich im Eiskeller ein, als er die Flucht ergreifen will. Wer hart genug im Nehmen ist, wird dann erleben, wie die kluge Therapeutin und der stets einfühlsame Jungpfarrer den Bauernsohn befreien und auch sonst vielen Gemeindemitgliedern aus ihren Sorgen und Nöten helfen.

Wer aber nun glaubt, es handle sich bei dem voralpenländischen Theaterkatholizismus um einen Beitrag der Redaktion "Kirche und Leben", geht fehl. Es ist ein Film der "Hauptredaktion Fernsehfilm, Serie II", eine lang anhaltende Fortsetzung des Unterirdischen ist zu befürchten. – Geschrieben wurde das alles von Katja Kittendorf nach einer Idee von Sophia Krapoth, es inszenierte Katrin Kulens-Feistl, die 2016, damals noch Katinka heißend, als Autorin den Thomas-Strittmatter-Drehbuchpreis für ihre Coming-out-Geschichte "Irmas wildes Herz" erhielt.


Quelle: teleschau – der Mediendienst