Im Comicfilm-Reboot "Spider-Man: Homecoming" (2017) (nun als Free-TV-Premiere bei RTL zu sehen) konzentriert sich Regisseur Jon Watts auf eine sehr sympathische Erzählperspektive: Man darf einem naturwissenschaftlich begabten Nerd bei seiner Begeisterung für die eigenen Superkräfte zuschauen. Noch nie war Spider-Man so liebenswürdig, lustig, frisch und unverbraucht wie bei Tom Hollands Verkörperung des Spinnenhelden.

Um dies gleich von Beginn an zu demonstrieren, entschied sich Jon Watts, seinen Hauptdarsteller sich zur Einführung mit einer Handykamera selber aufnehmen zu lassen: Der begeisterte Teenie Peter Parker dreht ein Videotagebuch über seinen kleinen Auftritt im Kreise der Avengers, den er 2016 in "The First Avenger: Civil War" absolvierte. Die gezeigten Szenen kennen treue Marvel-Fans inhaltlich bereits, doch diesmal werden sie ausschließlich aus Peters Sicht gezeigt. Sein Einsatz mit den Avengers mutiert zum Schülerausflug. Spider-Man ist ein Tony-Stark-Jünger, der sich vor Begeisterung kaum zurückhalten kann. Er flippt aus, so wie eben 15-Jährige ausflippen würden, die unverhofft mit ihren Idolen Seite an Seite kämpfen dürften.

Aufgrund dieser Einbindung ins Marvel-Comicfilm-Universum ist der erste Solo-Auftritt des neuen Spider-Mans dann eben nicht ganz solo: Tony Stark alias Iron Man (Robert Downey Jr.) tritt als sein väterlicher Mentor auf, von dem Peter ernst genommen und als fester Teil der Avengers-Truppe aufgenommen werden möchte. Auch wenn er zunächst nur kleine Brötchen backt: Tom Hollands Spider-Man jagt Fahrraddiebe, weist Passanten den Weg und fliegt tollpatschig unkoordiniert durch die Lüfte von New York. Doch mit Waffenhändler Adrian Toomes alias Vulture scheint endlich ein ernstzunehmender Feind in Spider-Mans Welt aufzutauchen. Michael Keaton liefert eine hervorragende Performance als Oberbösewicht, die am ehesten mit seiner oscarnominierten Rolle in "Birdman" gleichzusetzen ist.

Das Drehbuch von "Homecoming" bietet für alle Nebendarsteller sehenswerte Szenen – etwa für den kaum erfahrenen Jacob Batalon, der als Spider-Mans nerdiger Sidekick Ned glänzt. Für ähnlich viele Lacher sorgt Jon Favreau, seines Zeichens Regisseur der ersten beiden "Iron Man"-Filme, als Tony Starks Assistent Happy. Das Comic-Abenteuer ist ein riesengroßer Spaß, der durchgehend genügend Lacher bietet, um selbst zu lang geratene Actionszenen wieder aufzulockern. Doch so amüsant der neue Spider-Man auch geworden ist, so fehlt ihm doch die Tiefe, die Sam Raimis Spidey-Trilogie (2002 bis 2006) einst lieferte. "Spider-Man: Homecoming" berührt nicht die Seele – bietet jedoch unterhaltsames Popcorn-Kino von Anfang bis Ende.

In "Avengers: Infinity War" (2018) sowie "Avengers: Endgame" (2019) kam der neue Spinnenjunge ebenfalls zum Helden-Einsatz. Zudem glänzte Tom Holland erst kürzlich in seinem zweiten Solo-Abenteuer "Spider-Man: Far From Home" (2019). Ein weiterer Einzelfilm mit Tom Holland ist bereits in Planung.


Quelle: teleschau – der Mediendienst