Bei einem Unfall stirbt ein junges Mädchen. Hinweise auf einen Unfallverursacher gibt es keine. Als die Ehe der Eltern über dem Unfall zu zerbrechen droht, greift Kommissar Fischer rettend ein.

Schuld- und Angstgefühle sind die Beweggründe in diesem atmosphärisch bestimmten ZDF-Krimi nach einem Roman des Erfolgsautors Jan Costin Wagner, der seine Geschichten stets in Finnland spielen lässt und damit in eine Reihe mit skandinavischen Kriminalgrößen wie Mankell oder Adler-Olsen tritt. Der Drehbuchautor Nils-Morten Osburg ("Ostfriesenblut", "Kennedys Hirn") hat das Geschehen – zwei Schicksale laufen hier so unerbittlich wie trivial aufeinander zu – allerdings nach Hamburg verlegt. Der Kommissar, der in "Tage des letzten Schnees" alles aufzuklären hat, heißt jetzt nicht mehr Kimmo Joentaa wie in der komplizierteren Vorlage, sondern schlicht und einfach Fischer, Johannes Fischer. Von Henry Hübchen wird er Anteil nehmend gespielt.

Es hätte nicht sein müssen, dass Fischer in dem verunfallten Familienvater Lars Eckert (Barnaby Metschurat) einen Bekannten aus früheren Tagen erkennt: Fischers früh verstorbene Frau war mit den Eckerts befreundet. Als Kommissar Fischer vom Tod der elfjährigen Tochter Anna bei dem Unfall erfährt, vergrößert sich im Kommissar noch einmal der Schmerz über den nicht verwundenen Tod der eigenen Frau, den er mit einsamen Besuchen am Meer zu bekämpfen versucht.

Annas Vater hatte der Tochter verweigert, bei einer Freundin zu schlafen, sie habe am anderen Morgen eine Chemiearbeit zu schreiben, hatte die Mutter gemahnt. Auf dem Rückweg vom Eishockey nach Hause passiert es dann: ein riesiger Knall, ein weißer Blitz, ein Wagen, der sich überschlägt. Beim Wiedererwachen gewahrt Lars: Seine Tochter ist tot. Wie er selbst, so kann auch seine Frau das Unglück nicht fassen, beide erleiden einen Nervenzusammenbruch.

Immer mehr drängt sich die Schuldfrage in den Vordergrund: Gab es einen anderen Unfallverursacher, oder trug Lars ganz alleine die Schuld, wie nun seine Frau Kirsten (Victoria Mayer) mutmaßt? Spuren eines anderen Wagens gibt es jedenfalls nicht. In Rückblenden und Szenenwechseln kommt eine andere Familie ins Spiel: Der Banker Markus Sellin (Bjarne Ingmar Mädel) lässt sich, wenn man so sagen darf, bei einem Geschäftstreffen in Frankfurt von einer jungen Frau verführen, es ist ein fast peinlicher Dialog am Disco-Tresen, ein beängstigend steifer Flirt, dessen übler Ausgang allerdings vorläufig verhindert wird, weil die Flirtpartnerin Markus' Ehering gerade noch bemerkt.

Es kommt dann aber doch, wie es kommen soll: Banker Markus hat Fallen gefunden an der Dame, einer armen Kunststudentin aus Rumänien im Übrigen. Bald wird er hohe Beträge nach Rumänien überweisen und gar eine Wohnung in Hamburg fürs künftige Doppelleben ordern. Es wird dann noch einmal der stille Kommissar Fischer gerufen werden, weil man auf einer öffentlichen Bank eine mit drei Schüssen getötete Frau findet. Selbstredend gerät unser Banker unter Verdacht.

So richtig finden die beiden Parallel-Dramen ihre Verbindung nicht, es sei denn, man wollte das Spiel des Schicksals schon als hinreichende Dramaturgie gelten lassen. Doch immerhin hat das Stück starke Stellen, die sich weit herausheben vom ansonsten soliden Umgang mit dem Klischee. Vor allem der Schock der Eltern wird vom Regisseur Lars-Gunnar Lotz nachvollziehbar inszeniert, und im Gespräch zwischen Annas Mutter und dem einsamen Kommissar entsteht tatsächlich so etwas wie Trost aus Trauer. Im Ganzen jedoch lässt die allzu schlichte Fallkonstruktion einem Kino der Gefühle viel zu wenig Raum.

Tage des letzten Schnees – Mo. 03.02. – ZDF: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH