29.03.2016 Sonntag am "Tatort"

Männer in heilloser Übermacht

von Detlef Hartlap
Das Team stößt mit Espresso in Pappbechern auf das 25-jährige Dienstjubiläum von Batic und Leitmayr an.
BILDERGALERIE
Das Team stößt mit Espresso in Pappbechern auf das 25-jährige Dienstjubiläum von Batic und Leitmayr an.  Fotoquelle: BR/Roxy Film GmbH/Regina Recht

Selten so geirrt: Leitmayr und Batic versuchen, einen Fehler auszubügeln.

"Sechs Tote, Harry!", ruft der Mörder, fassungslos über das, was er selbst angerichtet und wozu er andere gedungen hat. Harry, sein Boss, tut so, als sei das alles nur aus purer Dämlichkeit passiert, Folge einer Verschwörung von Idioten, aber nichts, aus dem er sich nicht noch rauswinden könnte. So wie immer.

Das 25-jährige Dienstjubiläum von Franz Leitmayr und Ivo Batic (Udo Wachtveitl, Miroslav Nemec) wird mit Pappbechern und im Vorbeigehen abgehandelt, für mehr bleibt keine Zeit; und die Stimmung ist sowieso nicht danach.

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Der Fall Mia san jetzt da, wo's weh tut erzählt von der Glätte einer reibungslosen Mordermittlung, die vor Gericht in ein reibungsloses "Lebenslänglich" mündet, was sich beides als verheerend erweist. Denn reibungslos, das gibt es nicht. Schon gar nicht bei Mord.

Max Färberböck (Buch und Regie) schildert in den besseren Passagen des Films – alle im ersten Drittel –, wie die symbiotisch aufeinander reagierenden Kommissare aus ihrer Selbstgewissheit erwachen, erst Batic, dann Leitmayr. Wie Batic einem Gefühl in seinem Inneren lauscht, und wie Leitmayr bemerkt, dass Batic lauscht. Das ist großes Kino.

Ein Tatort voller Bruchholz

Wir werden Zeuge, wie sich die beiden der Erkenntnis, Mist gebaut zu haben, zu entziehen versuchen, um dann umso wütender gutzumachen, was nicht mehr gutzumachen ist. Ein Tatort voller Bruchholz.

Wir lassen uns von einer Romanze berühren (Nicole Mercedes Müller und Max von der Groeben) und ahnen gleich, da wird nix draus ...

Wir lassen uns vom Südtiroler Bordellbetreiber Schneider (Robert Palfrader) einseifen, der ein "Cuvée von 2008" einschenkt: "Der hat oan Abgang länger wie a Woch'n."

Eine Gangsterbraut (Meri Koivisto) wird von Batic derart eingeschüchtert, dass sie der Unterwelt ade sagen würde, wenn man sie denn ließe.

Männer fallen über Frauen her, weil sie Männer sind und ihnen im Rausch danach ist. Und weil sie sich in heilloser Übermacht befinden.

Und ein Killer namens Siggi (Andreas Lust) mit drei Eigentumswohnungen in München stöhnt auf: "Sechs Tote, Harry!" Das ist in der Tat viel Holz.

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