ARD-Krimi

"Tatort" aus Hamburg: Wie gefährlich ist das Wattenmeer wirklich?

von Eric Leimann

Eine "Wattwanderung" im neuen Hamburger "Tatort" endete tödlich. Ist das schlickige Weltnaturerbe tatsächlich so gefährlich, wie es der "Tatort"-Titel "Tödliche Flut" ein wenig vorschnell verriet?

Der "Tatort" erkundet mal wieder die deutsche Inselwelt. Bietet sich ja auch an, zumindest im Verantwortungsbereich des NDR. Til Schweiger unternahm in seinem Post-Action Comeback "Tschill Out" Anfang 2000 einen Ausflug auf die Elbmündungsinsel Neuwerk. Wotan Wilke Möhring – damals noch mit Partnerin Petra Schmidt-Schaller – klärte bereits 2013 einen "Mord auf Langeoog" auf. Diesmal, bei "Tatort: Tödliche Flut", ist man zwei ostfriesische Inseln weiter westlich – auf Norderney.

Worum ging es?

Investigativ-Journalistin Imke Leopold (Franziska Hartmann) meldete sich bei Ex-Liebhaber Falke, weil sie sich wegen kritischer Recherchen auf ihrer Heimatinsel bedroht fühlt. Ist sie einem Immobilienskandal auf der Spur? Tatsächlich wird einer ihrer Kontaktleute ermordet. Die Kommissare Falke und Grosz ziehen ins malerisch, aber einsam gelegene Haus der Journalistin ein. Eigentlich, um sie zu beschützen. Bald macht sich eine subtile Spannung breit. Sind ein Mann und zwei Frauen eine Person zu viel? Ein Psychothriller um falsche Fakten und narzisstische Wünsche beginnt.

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Wo liegt überhaupt das Wattenmeer?

Das 11. 500 Quadratkilometer große Gebiet erstreckt sich über eine fast 500 Kilometer lange und bis zu 40 Kilometer breite Küstenlandschaft zwischen dem dänischen Skallingen im Nordosten und dem niederländischen Den Helder im Südwesten. Seit 2009 zählt das größte Wattenmeer der Erde zum UNESCO-Weltnaturerbe. Als Watt bezeichnet man den bei Niedrigwasser freiliegenden Meeresgrund.

Was genau ist gefährlich am Wattenmeer?

Alle sechs Stunden und zwölf Minuten wechseln die Gezeiten zwischen Ebbe und Flut. Zwei bis vier Meter beträgt der Unterschied (Tidenhub) zwischen Niedrigstand und Höchststand der deutschen Nordsee. Wanderer, die sich ohne kundigen Führer ins Watt begeben, riskieren einen Verlust der Orientierung (Wo gehts zum Land?), der vor allem bei aufkommendem Seenebel schnell passieren kann. Wasserläufe im Watt – sogenannte Priele – können zu reißenden Flüssen werden, Schlickfelder den Weg versperren. Auch Gewitter im Watt sind eine echte Gefahr. Weil der Mensch dort stets der höchste Punkt ist.

Wie viele Tote gab es im deutschen Watt?

DLRG und die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger schätzen, dass sie pro Jahr zwischen 150 und 250 Einsätze fahren, um unvernünftige Wattwanderer zu retten. Tendenz steigend – was auch mit der zunehmenden Verschlickung der Nordsee an der Elbmündung vor Cuxhaven zu tun hat. In Deutschland ertranken in den letzten beiden Dekaden jährlich zwischen 383 (2012) und 644 (2003) Personen. Wie viele von ihnen im Watt blieben, ist nicht erfasst. Trotzdem gibt es dort jedes Jahr Berichte über tödliche Unfälle. Ein einfacher Tipp für Solowanderer: Entferne dich nie weiter von der Küste, als man in maximal zehn Minuten zurückwandern könnte.

Wer spielte die Journalistin?

Investigativ-Journalistin Imke Leopold wird von Franziska Hartmann gespielt. Die 1984 geborene Starnbergerin wuchs in München auf, besuchte die Schauspielschule in Leipzig und lebt heute in Hamburg. Dort spielte sie von 2009 bis 2018 im Ensemble des berühmten Thalia Theaters. Mit Antifa-Haartracht und groben Strickpullis läuft sie in der Hansestadt aber eher nicht herum. Im Fernsehen sieht man Hartmann tendenziell in anspruchsvollen Arthaus-Filmen wie "Sterne über uns" oder "Über Barbarossaplatz". Die brünette Bayerin mit Nord-Faible ist übrigens wirklich so groß, wie sie im "Tatort" aussieht: 1,77 Meter.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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