Die US-Serie "The Handmaid's Tale" räumte zahlreiche Preise ab. Nun feiert sie ihre deutsche Free-TV-Premiere an etwas ungewöhnlicher Stelle. Sie erzählt, wie sich die USA von einer Demokratie in eine Diktatur verwandelt hat.

Nachdem die US-Hitserie "The Handmaid's Tale – Der Report der Magd" hierzulande in der Vergangenheit nur zum Streamen, Leihen oder Kaufen verfügbar war, hat sich Tele 5 nun die Rechte an der deutschen Erstausstrahlung gesichert. An fünf aufeinanderfolgenden Freitagen kann die mit acht Emmys ausgezeichnete erste Season nun jeweils in Doppelfolgen im Free TV "genossen" Werden. Das Genießen freilich ist ein zweischneidiges Vergnügen, denn die hochspannende Drama-Serie sorgt beim Zuschauer auch für nackte Angst, denn sie zeigt eine mögliche Zukunft unserer Welt mit den USA als faschistisches Regime: Das Land, nunmehr Gilead mit Namen, hat sich nach einem verheerenden Bürgerkrieg und der Machtergreifung durch religiöse Fundamentalisten in eine Diktatur verwandelt.

Die totalitären Herrscher – eine reine Männerriege – entziehen den weiblichen Bewohnern alle Rechte. Weil gleichzeitig eine mysteriöse Welle von Krankheiten den Großteil der weiblichen Bevölkerung unfruchtbar gemacht hat, werden die wenigen noch gebärfähigen Frauen auf zynische Weise zu "Gebärmaschinen" degradiert. Als sogenannte "Mägde" müssen sie der neuen Herrscherschicht Nachwuchs ermöglichen. In ihre aufgezwungene Rolle will sich die junge, ehemals berufstätige Mutter Desfred (gespielt von Elisabeth Moss, "Mad Men") nicht fügen. Doch jedes Anzeichen von Auflehnung wird mit äußerster Brutalität geahndet.

Obwohl sich die Serie recht eng an die etwas betagte gleichnamige Buchvorlage von Margaret Atwood hält, haben die Produzenten einige Veränderungen vorgenommen, die beklemmende Bezüge zu den aktuellen gesellschaftlichen Verwerfungen in den USA der Trump-Ära zulassen. Die Kritiker weltweit waren begeistert von der hohen Qualität der Serie – insbesondere auch aufgrund der herausragenden darstellerischen Leistungen des Star-Ensembles – darunter auch Joseph Fiennes ("Shakespeare in Love") und Alexis Bledel ("Gilmore Girls"). Alle weiteren Staffeln sollen laut Tele 5 ebenfalls in Zukunft auf dem Sender zu sehen sein.

Als im Oktober 2017 die erste Staffel der hochgelobten US-Serie in Deutschland startete, wurde sie schnell zum Mythos. Nicht, weil so viele Menschen sie gesehen hatten und begeistert waren, sondern eher, weil fast niemand Zugang zu diesem Meisterwerk hatte. Dies lag am Rechteinhaber Entertain TV, dem Streamingportal der Telekom. Der ehemalige staatliche Telefonkonzern hatte sich die Ausstrahlungsrechte der Hulu-Serie für Deutschland gesichert, doch man hatte – verglichen mit Netflix, Amazon oder Sky – zu diesem Zeitpunkt doch arg wenig Kunden. Mittlerweile wurde aus Entertain TV der etwas griffigere Name Magenta TV – und man ist verbreiteter. Seit 5. September 2019 zeigt das Telekom-Portal Staffel drei der Serie, eine vierte ist bereits bestätigt.

Die Serie "The Handmaid's Tale" nach dem gleichnamigen Roman der kanadischen Schriftstellerin Margaret Atwood, der bereits Mitte der 80er erschien – gerade veröffentlichte sie eine Fortsetzung – wurde immer wieder mit der Entwicklung Amerikas unter der Präsidentschaft Donald Trumps in Beziehung gesetzt. Kein Wunder, erzählt das beklemmende Epos doch in regelmäßigen Rückblenden, wie schnell sich die USA von einer Demokratie in eine Diktatur verwandelte. Es sind diese kurzen Szenen, die an "The Handmaid's Tale" vielleicht am meisten begeistern – neben den stark dargestellten Angst- und Schreckens-Mechanismen der neuen Gesellschaft Gileads. Als Kampfaufruf zum Erhalt der Demokratie gewinnt das TV-Werk in den USA übrigens von Staffel zu Staffel immer mehr Zuschauer hinzu. Immerhin – eine gute Nachricht.


Quelle: teleschau – der Mediendienst