Free-TV-Premiere bei ARTE

"The Killing of a Sacred Deer": beunruhigend gut

von Eric Leimann

Dieser beklemmende Thriller zieht dem Zuschauer den Boden unter den Füßen weg: Der Grusel, den "The Killing of a Sacred Deer" entfaltet, hallt lange nach.

ARTE
The Killing of a Sacred Deer
Drama • 14.09.2020 • 21:55 Uhr

Die Verwandlung ist perfekt: Vom anfänglich rätselhaften und von einer leisen Spannung getragenen Beziehungsdrama transformiert sich "The Killing of a Sacred Deer" mehr und mehr zu einer Mischung aus griechischer Tragödie und Horrorfilm. Yórgos Lánthimos ist einer der besten und beunruhigendsten Filme 2017 gelungen. Dies wurde im selben Jahr mit dem Drehbuchpreis beim Filmfestival in Cannes quittiert. Nun ist das zweite englischsprachige Werk des hochgelobten griechischen Regisseurs Lánthimos – in dem erneut Colin Farrell die Hauptrolle übernimmt – auf ARTE als Erstausstrahlung zu sehen.

Steven (Farrell) und Anna (Nicole Kidman) leben mit ihren beiden Kindern einen behüteten amerikanischen Traum. Steven arbeitet als Herzchirurg an einem großen Krankenhaus, Anna ist Augenärztin. Die 15-jährige Tochter Kim (Raffey Cassidiy) singt im Chor, während der kleine Bob (Sunny Suljic) gute Fortschritte am Klavier macht. Gelegentlich haben Steven und Anna erfüllten ehelichen Sex, im Alltag macht man sich gegenseitig Komplimente.

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Es ist ein nahezu perfektes bürgerliches Idyll, welches dem Zuschauer da präsentiert wird. Doch warum trifft sich Steven häufig und heimlich mit dem 16-jährigen Martin (Barry Keoghan, "Dunkirk")? Bald wird der Junge aus einfachen Verhältnissen sogar der Familie vorgestellt – deren geschütztes Leben von nun an aus den Fugen gerät.

Die Kritiken zu Lánthimos erstem in den USA gedrehten Film fielen euphorisch aus. Seit dem Vorgänger "The Lobster" gilt der 1973 in Athen geborene Autor und Regisseur als einer der interessantesten Filmemacher der Gegenwart. Seine Filme gehen auf mysteriöse Art an die Nieren, weil in kühl komponierten und betexteten Bildern brillant gebaute Geschichten vorgetragen werden. Harte, ja fast gnadenlose Geschichten, von denen man sich als Zuschauer kaum distanzieren kann.

Auch in "The Killing of a Sacred Deer" muss man sich auf mysteriöse, schwer zu erklärende Dinge einlassen, um einer beängstigend konsequent erzählten Geschichte zu folgen. Für die Qualität des Films spricht jedoch, dass man sich als Zuschauer fast schon aktiv gegen den Sog des Wahnsinns wehren muss, um dem Film nicht mit ganzem Körper und Seele zu verfallen. Denn das würde bedeuten, den Horror der Familie um Farrell und Kidman ungefiltert mitzuerleben.

"The Killing of a Sacred Deer" rückt dem am Mainstream orientierten Zuschauer gefährlich nah auf die Pelle. Man fühlt sich nicht gut nach diesem Film – sein Grusel bleibt lange im Kopf hängen. Für die Qualität eines Filmerlebnisses abseits des bloßen Unterhaltungswunsches ist das immer ein gutes Zeichen.

Colin Farrell bewegte sich zuletzt ganz abseits des Horrors. Aktuell ist der 44-Jährige in der Realverfilmung der Romanserie "Artemis Fowl" in einer Hauptrolle zu sehen. Der Abenteuerfilm ist beim Streamingdienst Disney+ abrufbar.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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