Peter Weir legt in seiner Verfilmung des vermeintlichen Tatsachenberichts "Der lange Weg" womöglich mehr Wert auf Authentizität als dessen Verfasser. Ob die Geschichte des Gulag-Häftlings Janusz sich wirklich so zugetragen hat, ist zweifelhaft.

Wenn einem Film der Satz "Nach einer wahren Begebenheit" vorangestellt wird, steigert das die Erwartungshaltung: Besonders dramatisch und emotional wird es zugehen. Das trifft auch auf das Drama "The Way Back – Der lange Weg" (2010) zu, das bei 3sat nun erneut zu sehen ist. Doch ob die Geschichte des Gulag-Häftlings Janusz (Jim Sturgess), der mit seiner Gruppe 6.500 Kilometer durch die Steppe Sibiriens, die Wüste Gobi und das Hochland Tibets bis nach Indien fliehen will, tatsächlich ein authentisches Vorbild hat, steht in Zweifel. Der vermeintliche Tatsachenbericht des 2006 verstorbenen Slawomir Rawicz, der als Vorlage diente, konnte nie verifiziert werden.

Regisseur Peter Weir, der auch am Skript mitschrieb, verliert seinen Weg nie aus den Augen. Dabei ist es ihm hoch anzurechnen, dass er keine Verfolger losschickt, um die Flucht künstlich zu dramatisieren, keine Liebesgeschichte erfindet und keine unlösbaren Konflikte innerhalb der Gruppe heraufbeschwört. Er verzichtet sogar weitgehend auf eine musikalische Untermalung der majestätischen Landschaftsaufnahmen. Nichts und niemand soll ablenken von der unglaublichen Leistung, unter widrigsten Bedingungen einen Marsch von 6.500 Kilometern überlebt zu haben. Selbst, wenn diese Leistung möglicherweise nur in der Fantasie vollbracht wurde.


Quelle: teleschau – der Mediendienst