Nach dem Erfolg des Polit-Journalismus-Thrillers "Tödliche Geheimnisse" im November 2016 (über fünf Millionen Zuschauer) legte das Erste im vergangenen Jahr nach: "Tödliche Geheimnisse – Jagd in Kapstadt", jetzt erneut im Ersten zu sehen, verlegte die Handlung von Europa nach Südafrika. Wieder mit dabei aber waren die Stars von Film Nummer eins: Ex-"Tatort"-Kommissarin Nina Kunzendorf und Anke Engelke als investigative Journalistinnen Rommy Kirchhoff und Karin Berger, Katja Riemann als wunderbar diabolische Konzernchefin.

Kirchhoff und Berger sind immer noch auf der Suche nach Lobbyist Paul Holthaus (Oliver Masucci), der als Whistleblower über die Machenschaften des Agrarkonzern Norgreen Life auspacken wollte. Tatsächlich hält Chefin Lilian Norgren (Katja Riemann) den in Ungnade gefallenen Top-Mitarbeiter hier versteckt – in einer Art goldenen Käfig. Norgren, die sich mit Holthaus unfreiwilliger Samenspende den Traum einer späten Schwangerschaft erfüllte, scheint ihren widerborstigen Ex-Lover in der Hand zu haben.

Die Journalistinnen und Holthaus' Sohn Max (Leonard Scheicher) recherchieren derweil am Kap den Skandal um das Pflanzenschutzmittel Pancosal. Das Norgreen-Life-Produkt steht im Verdacht, eine bestimmte Form von Leberkrebs auszulösen. Einer von Norgrens größten Gegnern ist der idealistische Arzt Dr. Schwarz (Benjamin Sadler). Dessen Forschungsarbeiten im Kongo scheinen ein Medikament gegen den Krebs gefunden zu haben, das Patent verspricht einen Milliardengewinn. Hier kommt Internet-Mogul Larry Jordan (Francis Couler) ins Spiel. Er möchte dieses Patent erwerben und Intim-Feindin Lilian Norgren damit atomisieren. Oder kommt im Ränkespiel der globalisierten Konzernmachenschaften am Ende doch alles ganz anders?

Der Sieger steht schon vorher fest

Man kann nicht sagen, das Autor Florian Oeller und Regisseurin Sherry Hormann ein besonders wohltuendes Bild unserer Gesellschaft zeichnen. Wie schon im ersten Teil kämpfen die Kleinen (Journalisten, Liebende, Kinder) gegen die Großen – übermächtige Konzerne. Der Sieger steht im Grunde vorher fest. Teilerfolge der investigativen Aufklärer retten die Laune des Mainstream-Zuschauers vor dem Knockout. Wer will schon die Guten stets verlieren sehen, selbst wenn es realistisch wäre?

Florian Oeller lässt seine Protagonisten wieder sehr viele Dinge erklären, die den Zuschauer über internationale Verstrickungen von Wirtschaft und Politik aufklären sollen. Das ist interessant, wenn auch im Sinne der Figuren nicht allzu realistisch. "Tödliche Geheimnisse – Jagd in Kapstadt" ist insofern ein sehr deutscher Thriller, weil das Drehbuch ziemlich didaktisch geraten ist und kaum Leerstellen zulässt. Sämtliche Figuren befinden sich in essenziellen persönlichen Konflikten, für deren Bearbeitung sie allerdings keine Zeit haben. Des Deutschen Thriller-Pflicht besteht darin, in langen, erklärenden Mono- und Dialogen die neue, böse Welt zu erklären.

Keine Frage, man kann diesem spannenden Film gut ansehen. Lebensecht ist er trotz seines Faibles für journalistische Recherche aber nicht. Dafür fehlen ein paar echte Menschen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst