Als 2017 "Deadpool" in die Kinos kam, war die Begeisterung groß: So anarchisch, so witzig und so brutal war schon lange keine Comic-Verfilmung! Zumindest nicht im Kino – anderswo hingegen schon: Ein Jahr zuvor nämlich hatte der US-Sender AMC den wohl unkonventionellsten Geistlichen aller Zeiten auf die Menschheit losgelassen. Getreu den Comics von Garth Ennis prügelt, flucht und meuchelt sich der titelgebende "Preacher" durch die wohl irrste Geschichte, die das Fernsehen gerade zu bieten hat. Seit Montag zeigt Amazon nun wöchentlich eine der zehn Folgen der dritten Staffel.

Man lehnt sich nicht besonders weit aus dem Fenster, wenn man das, was in "Preacher" bisher geschehen ist, als gottlos bezeichnet. Schließlich musste der führere Ganove und heutige Pfarrer Jesse Custer (Dominic Cooper) in der ersten Staffel feststellen, dass Gott tatsächlich verschwunden ist. Wohin, weiß nicht mal der Himmel. Also machte sich Custer gemeinsam mit seiner schießwütigen Ex-Freundin Tulip (Ruth Negga) und dem befreundeten irischen Vampir Cassidy (Joseph Gilgun) in Staffel zwei auf, Gott in New Orleans zu suchen. Der Allmächtige sei nämlich ein großer Jazzfan, wusste eine Stripclub-Betreiberin ihnen zu berichten.

Gefunden haben die drei Gott in New Orleans nicht. Dafür aber eine Geheimorganisation, die ebenfalls nach ihm sucht und den widerwilligen Jesse als neuen Messias einsetzen will, falls Gott nicht wieder auftauchen sollte. Doch das ist noch Jesses geringstes Problem. Denn inzwischen liegt die Liebe seines Lebens tot auf dem Rücksitz seines Wagens und nur eine Person, die er nie im Leben wiedersehen wollte, kann helfen: Seine Oma mütterlicherseits, eine skrupellose Voodoo-Priesterin, die mächtig genug wäre, Tulip zurück ins Reich der Lebenden zu holen. Doch nur, wenn Jesse den Preis dafür zahlt.

Wiedersehen mit Hitler deutet sich an

Darum, was genau den Preacher, Tulip und Cassidy in Angelville, Lousiana, erwarten wird, machte der verantworliche Sender AMC noch ein Geheimnis. Produzent Michael Slovis deutete lediglich an, dass man in der dritten Staffel so weiter machen wolle wie bisher: mit viel Action und viel Humor. Den Hauptdarstellern Dominic Cooper und Joseph Gilgun zufolge dürften die neuen Folgen sogar noch brutaler werden als die bisherigen. Und die waren immerhin schon so blutig, dass es einem gar nicht so viel Kopfzerbrechen bereitet hat, Hitler (Noah Taylor) am Ende der zweiten Staffel aus der Hölle entkommen zu sehen. Da die siebte Folge der neuen Staffel nach ihm betitelt ist, dürfte es ein Wiedersehen mit dem flüchtigen Diktator geben.

Für jeden, der kein ausgewiesener Splatter-Fan ist, wäre das Gemetzel in "Preacher" wohl unerträglich – wäre da nicht der herrlich bizarre Humor, mit dem es verkauft wird. Der entsteht nicht nur dadurch, dass die liebevoll ersponnenen Haupt- und Nebencharaktere viel zu abgedreht für diese Welt sind und von einer wahnwitzigen Situation in die nächste geraten. Die Figuren wurden durch die Bank mit äußerst fähigen Darstellern besetzt, die eine großartige Chemie, enorme Präsenz und ein unerschütterliches Gespür für Timing besitzen. Auf die schrägen Gestalten, die Jesse und Co. in Angelville treffen werden, darf man also mehr als gespannt sein.


Quelle: teleschau – der Mediendienst