Kein Genre ist den Japanern heiliger als ihr heißgeliebter "Kaiju Eiga". Die Tradition des japanischen Monsterfilms lässt sich bis in die 50er-Jahre zurückverfolgen, schon 30-mal verwüstete allein "Godzilla" seither den Inselstaat im Ostmeer. Kaum verwunderlich also, dass aus dem Heimatland der Riesenechse mit Argusaugen auf die zweite Hollywood-Adaption des Stoffes geblickt wurde. War Roland Emmerichs erste Verfilmung 1998 noch Comic-ähnlich überzeichnet, ist Gareth Edwards' "Godzilla" (2014) nun deutlich düsterer geraten – etwas zu düster sogar: Ein bisschen mehr Lockerheit hätten dem fast schon bierernsten Actionstreifen, der jetzt bei ProSieben zur besten Sendezeit wiederholt wird, gutgetan.

Mit großen Ungeheuern kennt sich Gareth Edwards aus – sein Erstlingswerk war "Monsters", eine kleine Indie-Produktion mit nur 500.000 US-Dollar Budget, in der eklige Tentakelviecher für Angst und Schrecken sorgten. Dem gegenüber stehen nun rund 160 Millionen US-Dollar, die der Engländer für "Godzilla" zur Verfügung hatte. Einen Teil der üppigen Summe investierte der 42-Jährige in eine ansehnliche Besetzung, die auf dem Papier leider mehr hergibt als auf der Leinwand.

Vor 15 Jahren havarierte ein japanisches Kernkraftwerk, bei dem der Wissenschaftler Joe Brody (Bryan Cranston, "Breaking Bad") seine Frau Sandra (Juliette Binoche, "Chocolat") verlor. Während das Ereignis von offizieller Seite als Betriebsunfall eingestuft wird, stellt der Witwer eigene Nachforschungen an: Seiner Meinung nach war es kein Erdbeben, das die Atommeiler zum Einsturz brachte. Zusammen mit seinem Sohn, dem Soldaten Ford (Aaron Taylor-Johnson, "Kick-Ass"), geht er in der Jetztzeit auf Spurensuche.

Der Film baut sich langsam auf – sehr langsam. Bis das titelgebende Monster zum ersten Mal auftaucht, vergehen fast 40 Minuten, in denen der britische Filmemacher ("Rogue One: A Star Wars Story") sein Publikum vor allem wissen lässt, dass er kein großer Fan von Kernenergie ist. Den wenigen Actionszenen wurde nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt.

Das größte Problem von "Godzilla" ist aber hausgemacht: Guillermo del Toro ("Shape of Water - Das Flüstern des Wassers") zeigte 2013 mit seinem ebenfalls von Warner und Legendary Pictures realisierten Actionfilm "Pacific Rim", wie Materialschlachten mit großen Monstern aussehen müssen und hatte das, was "Godzilla" fehlt: das Herz am rechten Fleck.

"Kong: Skull Island", der zweite Film im MonsterVerse von Legendary, lief 2017 in den Kinos. "Godzilla: King of the Monsters" folgt 2019, "Godzilla Vs. Kong" dann 2020. Um die Wartezeit zu überbrücken, kann man die aktuellen Auftritte der Riesenechse bewundern: "Shin Godzilla" entstand 2016 unter der Ägide von Hideaki Anno ("Neon Genesis Evangelion") und Shinji Higuchi ("Attack on Titan"), während "Godzilla: Planet der Monster" (2017) die erste computeranimierte Variante und Teil eins einer geplanten Trilogie darstellt – zu sehen auf Netflix.


Quelle: teleschau – der Mediendienst