"Gestiegenes Interesse bei den TV-Zuschauern – das ist das Beste, was uns passieren konnte, und es ist auch ein Beweis für gestiegene Glaubwürdigkeit des Radsports an sich". Das erklärte der deutsche Radrennprofi John Degenkolb nach Beendigung der Tour de France im vergangenen Jahr. Tatsächlich scheint das wichtigste Radrennen der Welt nach dem Tiefpunkt 2007, als die damals übertragenden Sender ARD und ZDF ihre Live-Berichterstattung wegen des positiv getesteten deutschen Fahrers Patrik Sinkewitz mit sofortiger Wirkung einstellten, wieder auf Kurs. Sowohl im Ersten als auch bei Eurosport waren zuletzt zahlreiche Zuschauer an der Strecke. Zur nun startetenden 105. Ausgabe der Tour de France (Samstag, 7. Juli, bis Sonntag, 29. Juli) hoffen ARD und Eurosport auf noch höheren Zuspruch – auch wenn abermals ein schwebendes Doping-Verfahren über der Großen Schleife liegt.

Ausgerechnet Christopher Froome, der viermalige Tour-Sieger (2013, 2015, 2016, 2017) und Titelverteidiger belastet das wichtigste Radrennen der Welt in diesem Jahr. Ob er an den Start geht, ist wenige Wochen vor dem Start der Tour de France noch immer nicht geklärt. Gegen den Briten läuft ein Doping-Verfahren. Und das bereits seit Monaten.

Im Dezember 2017 wurde bekannt, dass Froome während der Vuelta 2017 eine Dopingprobe abgegeben hatte, bei der der Grenzwert für die Substanz Salbutamol überschritten war. Das Asthmamittel jedoch ist nicht verboten, weil es Asthmatikern wie Froome hilft, bei Beschwerden besser Luft zu bekommen. Bei dem Radstar aber war der erlaubte Grenzwert um das Doppelte überschritten. Die Frage, ob er wirklich gedopt hat, wird nach Aussage von David Lappartient, dem Präsidenten des Radsport-Weltverbandes UCI, wohl erst nach der am 7. Juli beginnenden Tour de France geklärt. So lange das Verfahren andauert, ist Froome startberechtigt.

Trotz des Wirbels um den Titelverteidiger stand ein Aus der Frankreich-Rundfahrt zumindest bei der ARD diesmal nicht zur Debatte. "Auswirkungen auf unsere Planungen, die Tour de France 2018 zu übertragen, hat dieser Einzelfall natürlich nicht", ließ ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky bereits im Januar dieses Jahres wissen. Mit dieser eindeutigen Aussage konnten die Radsport-Fans also früh aufatmen. Und von den Tour-Anhängern gibt es nach den Doping-Krisen der 2000er-Jahre wieder mehr. Balkausky: "Die Tour de France 2017 hat sich hinsichtlich der Zuschauerzahlen im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesteigert."

Tatsächlich sind die TV-Quoten der Tour de France im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2016 um rund zehn Prozent gestiegen. Im Schnitt sahen 1,34 Millionen Menschen das Spektakel bei der ARD. Der Marktanteil des Senders lag damit nach eigenen Angaben bei 10,8 Prozent. Im Vorjahr betrugen die Vergleichszahlen 1,18 Millionen und 9,7 Prozent. Und auch Eurosport hat ein deutlich gestiegenes Zuschauerinteresse registriert. Bei den durchschnittlichen Zuschauerzahlen – 0,34 Millionen schalteten die Sendungen ein – legte der Spartensender um 33 Prozent zu, beim Marktanteil sogar um 45 Prozent. Die Etappe am französischen Nationalfeiertag, an dem der Tross sich durch die Pyrenäen quälte, sahen in der Spitze sogar 750.000 Zuschauer – Tour-Rekord für den Sender!

Alle 21 Etappen live im Free-TV

Wie in den vergangenen Jahren zeigen ARD und Eurosport auch 2018 wieder alle 21 Etappen der Tour live im Free-TV. Der Spartensender, der sich nach Aussage von Chef Peter Hutton selbst als "Home of Cycling" bezeichnet, ist erneut von Kilometer Null in voller Länge dabei. Eine Ausnahme allerdings gibt es. Am Samstag, 14. Juli, übertragt der Sportkanal die MotoGP (Grand Prix von Deutschland auf dem Sachsenring). Die achte Etappe der Tour ist deshalb nur auf Eurosport 2 live zu sehen. Oder im kostenpflichtigen Player.

Mehr als 100 Stunden Live-Berichterstattung sind bei Eurosport geplant. Über die komplette Distanz von insgesamt 3.329 Kilometer vom Start auf der Atlantikinsel Noirmoutier-en-l'Île bis zur Zielankunft auf den Champs Elysées in Paris begleitet wie gewohnt das bewährte Kommentatoren-Team Karsten Migels und Jean-Claude Leclercq, das aus dem Studio von Ron Ringguth und Marc Rohde unterstützt wird, die insgesamt 176 Fahrer in 22 Teams.

Im Ersten sind Florian Naß als Reporter und Moderator Michael Antwerpes im beinahe täglichen Einsatz. Nur zweimal haben sie Pause. Jeweils montags, am 16. Juli und 23. Juli, ruht auch die Tour. Anders als Eurosport, das "jede Rennminute der Tour live zeigt" (O-Ton Peter Hutton), findet die tägliche Live-Berichterstattung bei der ARD der einzelnen Etappen von Montag bis Freitag, "in der Regel" zwischen 16.05 Uhr und 17.30 Uhr statt. An den Wochenenden ist das Liveprogramm hingegen umfangreicher.

Marcel Kittel glaubt an seine Siegchance

Das Einschalten lohnt sich für die deutschen Radsportfans womöglich bereits zum Auftakt. Auf der flachen ersten Etappe von Noirmoutier nach Fontenay-le-Comte rechnet sich deutsche Sprintstar Marcel Kittel durchaus Siegchancen aus. Die Wiederholung seiner fünf Tour-Tagessiege aus dem Vorjahr könne er nach eigener Aussage jedoch "nicht ernsthaft" anstreben: "Zunächst ist wie immer ein Etappensieg mein Ziel, je früher, desto besser", erklärte Kittel, der schon 2013 und 2014 nach Auftaktsiegen in Bastia und Harrogate je einen Tag das Gelbe Trikot trug.

Die weiteren Höhepunkte der Rundfahrt sind unter anderem die neunte Etappe (Sonntag, 15. Juli), die auf dem Weg von Arras nach Roubaix über 21,7 Kilometer Kopfsteinpflaster führt. Zwei Tage darauf, am Dienstag, 16. Juli, erwartet die Fahrer eine noch härtere Herausforderung. So hält das Ziel in La Grand Bornard eine zwei Kilometer lange Schotterpisten bereit. Als Königsetappe gilt der Aufstieg auf den Alpe d'Huez (Donnerstag, 19. Juli).

Ein Spektakel verspricht zudem die 17. Etappe von Bagneres de Luchon nach St Lary Soulan (Mittwoch, 25. Juli), die auf nur 65 Kilometern satte 38 Kilometer bergauf führt. Die Entscheidung über den Gesamtsieg soll am vorletzten Tag ein 31 Kilometer langes Einzelzeitfahren bringen. Gemein: Diese Etappe führt von Saint-Pée-sur-Nivelle nach Espelette über bergiges Terrain. Es heißt für die Profis diesmal also, quälen bis zum Ende. Für den Zuschauer soll die Tour mit ihren vielen Impressionen von Land und Leuten ein Genuss sein.


Quelle: teleschau – der Mediendienst