Hin und wieder schafft Hollywood es doch noch, das Publikum zu überraschen. Beispielsweise in "Wasser für die Elefanten": Bis kurz vor Schluss glaubt der Zuschauer zu wissen, wie diese Dreiecksgeschichte im Zirkusmilieu enden wird. Doch daraus wird nichts: Das erwartete Ende bleibt aus. Revolutionär ist die Lösung, die Regisseur Francis Lawrence ("Red Sparrow") stattdessen anbietet, zwar auch nicht, doch seine unvorhergesehene Wendung rückt das Bild, das man sich von dem Film mit den Oscarpreisträgern Christoph Waltz und Reese Witherspoon sowie Teenie-Idol Robert Pattinson machte, innerhalb von ein paar Minuten ein wenig gerade. Der Kostümfilm, den SAT.1 jetzt wiederholt, sorgt mit seiner goldig-braunen Ausleuchtung für ein wohliges Gefühl und plätschert zumeist schön nostalgisch vor sich hin.

1931 ist das Jahr zwei nach dem großen Börsencrash, und, entscheidender, das Jahr, in dem Jacob (Robert Pattinson) bei einem Autounfall seine Eltern verliert. Die Nachricht erreicht ihn, als er das finale Examen seines Veterinärstudiums an der renommierten Cornell University ablegen will. Der nun mittellose Jacob bricht ins Ungewisse auf.

Er folgt den Gleisen und springt auf den erstbesten Zug auf, den er erwischen kann – den Zug von August Rosenbluth. Dass Christoph Waltz für die Rolle gecastet wurde, verrät viel über den Charakter des Zirkusdirektors. Für Hollywood ist Waltz der ideale Fiesling – nicht ganz grundlos: Rosenbluth besitzt Charisma, eine gewisse Macht und die unangenehme Eigenschaft, nach nonchalantem Small Talk ohne Vorwarnung mit bedrohlichen Worten und Taten in den Angriff überzugehen. Kein Mann, in dessen Frau (Reese Witherspoon) man sich verlieben sollte. Doch genau diesen Fehler begeht der blinde Passagier, der als Tierarzt und Elefantentrainer langsam die Wertschätzung des lächelnden Tyrannen gewinnt.

Leider stimmt die Chemie nicht in diesem Dreieck plus Elefant, was für ein Eifersuchtsdrama ein gewaltiges Manko darstellt. Immerhin punktet der Film mit seinem unvorhergesehenen Ausgang. Zwar kann sich keiner der drei unglücklich Verliebten zu einem unerwarteten Schritt durchringen – der Elefant dagegen schon.


Quelle: teleschau – der Mediendienst