Als Journalistin ist Amy (Amy Schumer) durchaus geschätzt – als routinierte Aufreißerin ist sie aber noch ein paar Nummern besser. Und Sportarzt Aaron Connors (Bill Hader) gibt dafür das ideale Opfer ab. Nach einem durchzechten langen Abend hält sie ihm die Tür zum Taxi auf. "Ach, müssen Sie auch nach Downtown?", fragt er arglos. Als sie neben ihm sitzt, raunt sie ihm zu: "Sie brauchen dem Fahrer nur ihre Adresse geben." Nun ist es köstlich zu beobachten, wie sich auf dem leicht kantigen, oft etwas vergrübelten Gesicht des Doktors eine Landschaft des Erstaunens ausbreitet. Man sieht den sprichwörtlichen Groschen fallen. Hier sollte man in "Dating Queen" unbedingt lachen. Denn vorher gibt's dazu wenig Gelegenheit und auch danach so gut wie gar nicht mehr. RTL zeigt die Komödie jetzt als Free-TV-Premiere.

"Monogamie ist unrealistisch" – dieses Credo ihres ehelich gescheiterten Vaters (Colin Quinn) hat die kräftige Blondine Amy verinnerlicht und lebt danach. Liebe ist für sie dadurch ausgeschlossen, bei jedem Kerl macht sie nach einer Nacht Schluss – bis auf einen Kraftprotz, der ihr aber wenig bedeutet. Bis sie in ihrer Eigenschaft als Redakteurin des Männermagazins "Snuff" ein Porträt des Orthopäden und Chirurgen Aaron Connors schreiben soll, der die Kniegelenke von teuren Athleten heilt und als Arzt ohne Grenzen Gutes in fernen Ländern tut. Er ist so nett, bescheiden und offenherzig, dass Amy ganz schwach wird. Hat sie etwa zu Unrecht ihre Schwester Kim (Brie Larson) dafür verachtet, Mitglied einer spießigen Kleinfamilie zu sein? Wird sie etwa auch noch einmal Kinder und einen Mann haben?

Ist Monogamie unrealistisch? Für eine eloquent-romantische Komödie der Wortspielereien, Andeutungen und pointierten Rededuelle über Bindungsängste kann das eine treffliche Frage sein. Insbesondere dann, wenn der thematische Dauerbrenner One-Night-Stand dazukommt, mit allen entsprechenden körperlichen Verwicklungen. Doch wenn Amys Mundwerk nicht gerade Schlüpfrigkeiten und Obszönitäten produziert, ist das Drehbuch entgeisternd fade. Um zu vermeiden, dass auch die prüde Parodie männlichen und weiblichen Sexualverhaltens auf die Nerven fällt, versucht der Film für Amys Paarbildungsangst bald Alkohol und Kiffen verantwortlich zu machen. Trotzdem werden die 114 Minuten zur quälenden Langeweile.

Noch über dem Titel wird auf dem Plakat von "Dating Queen" darauf verwiesen, dass Judd Apatow, der hier auch inszeniert, schon "Brautalarm" produziert hat. Der Vergleich zeigt genau, was mit "Dating Queen" nicht stimmt: "Brautalarm" erzählte von einer Frau, die kurz vor der Hochzeit der besten Freundin alles verliert – Job, Partner, Wohnung, Freunde. Ihr verzweifelter Humor vereint sich mit dem satirischen Blick von Regie und Drehbuch auf weibliche Rivalität zu einer grandiosen Zickenkomödie. "Dating Queen" scheitert mit einem viel komödiantischeren Themenmix, weil die Figuren kein Problem haben, das des Weglachens bedürfte. Zumindest glaubt man ihnen keines. Wenn die letzte halbe Stunde kitschige Versöhnungsmomente zwischen angeblich zerstrittenen Menschen aneinanderreiht, gibt es dafür ebenso wenig einen Grund wie für die penetrante und amateurhafte Gaststar-Präsenz von Basketball-Legenden wie Lebron James als Dr. Connors Patienten. Angesichts meist lethargisch agierender Hauptdarsteller ist eigentlich nur der Auftritt Tilda Swintons sehenswert, die als Amys sadistische Chefin mit ihrer Verwandlungskunst überzeugt.


Quelle: teleschau – der Mediendienst