In seiner Verzweiflung bringt Tobias (Till Firit) einen Hamster mit. Putzig ist er ja, und Frida (Katrin Röver) mag Hamster auch. Eigentlich. Noch viel lieber mag sie ein eigenes Kind. Das aber will ihr Freund nicht mit ihr zeugen. Nicht mehr. Denn probiert haben es die beiden Mittdreißiger eine ganze Weile. Jetzt ist Tobias verzweifelt, weil Frida immer verzweifelter wird – und verabschiedet sich aus der Beziehung. Ein Kind muss trotzdem her, denkt Frida ... Regisseurin und Drehbuchautorin Mareille Klein schickt sie in der fabelhaften Tragikomödie "Dinky Sinky", die nun in der Debütreihe als Free-TV-Premiere im Ersten zu sehen ist, in den Irrgarten ihrer Obsession. Einen Ausweg zu finden, ist gar nicht so einfach.

All ihre Freunde haben Kinder, überall sind glückliche Familien. Und Frida? Wird einfach nicht schwanger. Dabei ist ein eigenes Kind Priorität Nummer eins im Leben der Münchner Sportlehrerin. Alles, was sie denkt, fühlt, tut – alles dreht sich um ein Baby. Also plant sie den Geschlechtsverkehr strikt nach Ovulationskalender, lässt sich kistenweise Schwangerschaftstests schicken, kennt sich mit Kinderwagen besser aus als deren Hersteller. Sie hetzt ihrem Traum hinterher, ohne nach rechts zu schauen oder links zu gucken.

Spröde ist diese Frida, wirkt immer ein wenig unbeholfen und schroff: Sie stößt ihre Mitmenschen häufig vor den Kopf, ohne sich dessen bewusst zu sein. Dass Tobias geht, kann man verstehen. Dass ihr die Schülerinnen einen üblen Streich spielen, ist nicht überraschend. Man möchte ihr ein ums andere Mal zurufen: "Mädchen, bleib mal locker!" Aber genau das kann sie nicht.

Jeder der Protagonisten ist hier ein bisschen gefangen in seinen Wünschen und Träumen. Sie alle müssen sich neu sortieren in ihrem Leben. Allen voran Frida, die stellvertretend für eine ganze Generation Großstädterinnen leiden muss, weil ihr Lebensplan nicht funktioniert. Mit ihren 36 Jahren ist sie, anstatt Mutter zu sein und ein glückliches Leben zu führen, plötzlich ganz allein. Der Filmtitel bezieht sich darauf: Dinky steht für Double Income No Kids Yet (doppeltes Einkommen noch keine Kinder), Sinky für die Single-Version. Und in der tickt die biologische Uhr besonders laut.

Zur Sympathieträgerin taugt Frida nicht, aber verteufeln kann man sie auch nicht. Das liegt zum einen an der umwerfenden Katrin Röver. Mit kleinen Gesten und großer Präsenz schenkt sie der so störrischen wie sensiblen Frida die Würde, die sie verdient. Zum anderen liegt es an dem mitfühlenden Drehbuch. Man merkt, dass Filmemacherin Mareille Klein im gleichen Alter wie ihre Protagonistin ist.

Die gebürtige Kölnerin erzählt ihren ersten abendfüllenden Spielfilm in schlichten Bildern, die aus dem Leben gegriffen sind und das Publikum zum teilnehmenden Beobachter von Fridas Alltag machen. Klein ist sehr direkt, sie überhöht nichts, sie dramatisiert nichts. Diese Ehrlichkeit macht "Dinky Sinky" zu einem Film mit ziemlich heftigen Nachwirkungen – und das ist ganz große Filmkunst.


Quelle: teleschau – der Mediendienst