Dass sich Matthias Killing als spontaner, fröhlicher und kluger Gesprächspartner erweist, sollte gar keine besondere Erwähnung wert sein. Immerhin gehört es zu den Kernkompetenzen eines TV-Moderators, schlagfertig und unterhaltsam zu sein. Doch wer morgens um 3 Uhr aus den Federn muss und am Mittag immer noch so aufgeweckt ist wie der 38-jährige "SAT.1-Frühstücksfernsehen"-Star, hat sich ein kleines Extralob durchaus verdient.

Das eigentlich Erstaunliche ist jedoch die Tatsache, dass sich Matthias Killing mitnichten auf die fraglos anstrengende Rolle des Gutelauneonkels am Fernsehmorgen beschränkt. Geradezu atemlos beackert der Schlagerfan auch fast alle anderen Entertainmentfelder, die sich ihm in der ProSiebenSat.1-Welt bieten.

Was den extrem vielseitigen "ran"-Mann antreibt, wie sich sein Beruf im Lauf von zwei Jahrzehnten verändert hat, warum er es sich nicht nehmen ließ, nun auch noch durch eine neue Musiksendung auf SAT.1 Gold ("Das Musikschiff – Stars auf einer Welle", vier Folgen ab Donnerstag, 5. Juli, 20.15 Uhr) zu führen und weshalb Schalke 04 seiner Meinung nach endlich auf die deutsche Meisterschaft zusteuert, all das verrät ein ausgeschlafener Matthias Killing im Interview.

prisma: Herr Killing, Fußball, Tennis, Boxen, Motorsport, "Frühstücksfernsehen", demnächst das Comeback von "Fort Boyard" ... und zwischendurch auch noch Schlager! Haben Sie etwas gegen den Titel "Deutschlands vielseitigster Moderator" einzuwenden?

Matthias Killing: Nein, gar nicht. Ich empfinde das als großes Kompliment, weil ich, so verrückt es klingt, im Fernsehen nur Sachen mache, mit denen ich mich intensiv und gerne auseinandersetze. Ich bin definitiv keiner, der einfach alles wegmoderiert, und überlege mir gut, was ich annehme und was ich sein lasse. Ich mag meine Sujets. Alle.

prisma: Also auch "Das Musikschiff?

Killing: Na, klar. Kein Witz: Ich bin großer Schlagerfan, höre Schlager im Auto, gehe zu Helene Fischer und Andreas Gabalier aufs Konzert ... Das letzte Album, das ich mir gekauft habe, war "Mach ma laut" von Linda Hesse. Ich bin wirklich voll dabei. Außerdem schließt sich für mich ein Kreis. Meine Karriere begann vor genau 20 Jahren auf einem solchen Traumschiff. Ich moderierte sieben Monate lang auf der AIDA jeden Abend Bingo. Klingt verrückt, aber ich fand das großartig!

prisma: Was kommt nun auf den Zuschauer zu?

Killing: Atemberaubende Kulissen, ein bisschen Service und Kulinarik, tolle Gespräche, viel Musik. Ich verspreche, das wird eine schöne Sendung.

prisma: Dabei war Schlager mal mausetot ...

Killing: Absolut. Aber heute hört das sogar die Jugend wieder. Es hat viel mit den Protagonisten zu tun, den neuen Stars, die ein ganz besonderes Lebensgefühl transportieren. Also bei mir schüttet diese Musik einfach Glückshormone aus. Wahrscheinlich geht es anderen auch so. Ein Lied wie "Atemlos durch die Nacht" trifft den Ton der Zeit.

prisma: Atemlos ist das Stichwort: Es ist gerade morgens um elf. Sie haben einige Stunden "Frühstücksfernsehen" in den Knochen und die Redaktionskonferenz hinter sich gebracht. Sind Sie nicht todmüde?

Killing: Nein. Alles gut. Ich stecke noch mitten im Arbeitstag. Heißt: Im Kopf bewege ich schon die Themen der morgigen Sendung. Schluss ist gegen 13 Uhr. Dann geht's direkt ab in den Mittagsschlaf – eine Notwendigkeit, wenn man um 3 Uhr rausmuss.

prisma: Geht das so leicht?

Killing: Inzwischen habe ich mich gut trainiert. Ich brauche eine Minute, dann bin ich weg. Es gibt auch keinen Ort mehr auf der Welt, an dem ich nicht schlafen könnte: Ob im Flieger oder in der Bahn, ich nutze jede Gelegenheit. Nachmittags schlafe ich ein, zwei Stunden, abends sehe ich zu, dass ich auf weitere vier, fünf Stunden komme. Zu früh gehe ich aber nicht ins Bett, denn ich gehöre zu den Menschen, die auch Wert auf ein intaktes Sozialleben legen.

prisma: Wie oft haben Sie schon verschlafen?

Killing: Noch nie!

prisma: Und wenn Sie doch mal nicht aus den Federn kämen?

Killing: In solchen Fällen greift in der Redaktion eine Art Alarmplan. Die würden wie verrückt versuchen, mich zu erreichen. Blöd nur, wenn man dann sein Handy lautlos gestellt hat, was hier tatsächlich schon mal passiert ist ... Dann hat man eben morgens um sechs 47 Anrufe in Abwesenheit.

prisma: Müssen Sie viele Partys und Einladungen wegen Ihres Jobs auslassen?

Killiing: Nein, gar nicht. Wenn es was zu feiern gibt, bin ich bin gerne dabei. Und während der WM wird am Abend natürlich gegrillt. Nur mit dem Bierchen muss ich natürlich maßhalten. Sonst wird das nichts mit der guten Sendung am nächsten Morgen.

prisma: Wann sprechen Sie als Moderator von einer guten Sendung?

Killing: Wenn ich überzeugt bin, dass der Zuschauer etwas von dem Programm hat. Wenn er etwas erfährt und für sich mitnimmt, das er ohne uns nicht zum Frühstück serviert bekommen hätte. Ich bin in dieser Hinsicht alte Schule und verstehe mich als verlängerter Arm des Zuschauers, für den ich in den Beiträgen, Talks und in jeder noch so kleinen, witzigen oder skurril anmutenden Aktion etwas rausholen will. Ich mache die Sendung ja nicht für mich. Es geht für uns darum, die Begeisterung, die wir selbst haben, zu übertragen. Gelingt uns das, sieht es locker und leicht aus. Ernsthaft: Ich bin ein Riesen-Fan der Sendung, und das wäre ich auch, wenn ich sie nicht moderieren würde.

prisma: So etwas müssen Sie natürlich sagen!

Killing: Nee. Wenn ich meine eigene Sendung nicht gucken würde, dann wäre ich fehl am Platz. Alles andere wäre zynisch, und die Zuschauer haben ein Gespür für Zyniker. Das Allerwichtigste ist Authentizität, hat mir ein Coach vor vielen Jahren mal gesagt – an dieses Credo glaube ich.

prisma: Aber die Wahrheit ist auch, dass Sie jeden Tag zuerst auf die Quoten schauen, oder?

Killing: Sicher. Die Zahlen sind ausschlaggebend. Aber Tatsache ist, dass die Einschaltquote fast immer dann mies ist, wenn ich selbst kein gutes Gefühl bei der Moderation hatte. Finde ich hingegen gut, wie eine Sendung läuft, kann ich fast sicher davon ausgehen, dass auch der Zuspruch okay ist. Immerhin steuere ich jetzt auch schon stramm auf mein zehnjähriges Wirken als Moderator des "SAT.1-Frühstücksfernsehens" zu.

prisma: Sie bewarben sich einst in einem Casting für das "Frühstücksfernsehen". Mussten Sie trotzdem überlegen, als die Zusage kam?

Killing: Keine Sekunde. Mir war sofort klar, dass ich mir eine Wohnung in Berlin suche und hier herziehe, um meinen Job so schnell wie möglich anzutreten.

prisma: Und dann wurden Sie mit einem Schlag bekannt?

Killing: (lacht) Nicht ganz. Was wohl daran liegt, dass abends einfach mehr Menschen TV gucken als morgens. Da schalten die Leute ein, aber sie machen nebenher auch andere Dinge – Zähneputzen, Bügeln.

prisma: Sind Sie stolz auf diesen Job?

Killing: Unbedingt. In eine solche Sendung zu kommen, die seit nunmehr über 30 Jahren eine feste Marke im deutschen Fernsehen ist und schon von so vielen großartigen Kollegen moderiert wurde, das war für mich vom ersten Moment an eine große Ehre.

prisma: Was zeichnet diese Marke Ihrer Meinung nach aus?

Killing: Das Team, die Spontaneität, der bunte Mix, die Fröhlichkeit – und der große Freiraum, den wir Moderatoren zur Eigeninitiative bekommen. Brauchen Sie noch mehr?

prisma: Die politischen Schlagzeilen werden bei der öffentlich-rechtlichen Konkurrenz generiert ...

Killing: Stimmt, aber das gönne ich den Kollegen gerne. Wir haben dafür alle Hollywoodstars im Interview. Wir sind ja alle auf dem gleichen Spielfeld unterwegs. Und: Nein, ich möchte nicht tauschen, falls Sie das fragen wollen (lacht).

prisma: Sie sind seit Juni 2009 beim "SAT.1-Frühstücksfernsehen", arbeiten seit 20 Jahren als Moderator. Was hat sich im Lauf der Jahre am meisten verändert?

Killing: Ganz klar: Früher gab Social Media nicht. Einerseits sind die Netzwerke ein Segen für eine aktuelle Magazinsendung wie unsere: Auf Instagram erfahren wir unmittelbar alles über Promis, bekommen rund um die Uhr private News, Bilder und Clips geliefert. Ich habe ja selbst eigene Profile. Andererseits ist es ein Fluch, weil das Feedback heute eben direkt auf die Zwölf kommt. Nicht immer schön, wenn einem auf Facebook beinahe in Echtzeit die eigenen Fehler vorgehalten werden. Ich tat mich anfangs jedenfalls schwer mit den Beschimpfungen, die dort manche meinen, absondern zu müssen. Aber ich habe gelernt, damit umzugehen.

prisma: Wie?

Killing: Das Zauberwort heißt Distanz. Ich habe nach diversen "Killing ist ein Arschloch"-Attacken begriffen, dass die rüde Art in den Sozialen Medien ein Teil des Zeitgeistes ist. Entsprechend ordne ich das ein.

prisma: Fragen Sie sich manchmal, wie es so weit kommen konnte?

Killing: Na ja. Es liegt auf der Hand: So traurig es ist, aber das hat wohl die technische Möglichkeit, einen Gedanken schnell mal in die Welt hinauszuposaunen, mit sich gebracht. Es ist verdammt leicht geworden, sich auszulassen und auf andere Menschen verbal draufzuhauen. Für die, die da ihren Hass hinausposten, mag das gar keine große Sache sein, die haben das vielleicht zehn Minuten später wieder vergessen, aber ich habe so etwas am Anfang mit mir herumgetragen und tagelang über solche Beleidigungen gegrübelt. Tu ich heute nicht mehr. Weil ich nicht mehr alles über mich lesen muss und weil ich weiß: Ist eben so, kann jeden treffen. Ich lasse es nicht mehr an mich ran.

prisma: Es ist bekannt, dass Sie ein großer Fan von Schalke 04 sind, was inzwischen auch hin und wieder in der Sendung zur Sprache kommt.

Killing: Ja. Mein großer Moment der letzten Monate war, als ich der Schalke-Legende Ingo Anderbrügge in der Sendung ein Vize-Meister-Schälchen überreichen durfte. Und das Höchste: Er hat diese Glanzleistung unseres Requisiteurs nach dem letzten Saisonspiel offiziell in der Arena überreicht – an Christian Heidel, Clemens Tönnies ... Sie alle hielten das Ding, meine Idee, in den Händen. Ja, da war ich stolz. Jetzt fehlt nur noch, das Domenico Tedesco einmal zu mir in die Sendung kommt (lacht). Der fasziniert mich total. Und da ich ihn, im Gegensatz zu vielen anderen Schalkern, noch nicht persönlich kenne, wird es höchste Zeit.

prisma: Der neue Schalke-Coach war für viele der Mann der vergangenen Bundesliga-Saison.

Killing: Mit Recht. Als echter Zweitliga-Fan habe ihn vor über einem Jahr für mich entdeckt, als er die eigentlich aussichtslos stehenden Auer vor dem Abstieg bewahrte. Aber Tedesco arbeitet auch im menschlichen Bereich überragend. Er ist ein Riesenkommunikator. Das Beste war, wie er auf Schalke gleich zu Beginn seiner Amtszeit die Geldstrafen für Verfehlungen der Spieler abschaffte und sie dafür arbeiten ließ. Eine Gelbe Karte heißt jetzt: aushelfen im Fanshop an der Kasse! – Darauf muss man kommen. Aber es funktioniert. Die Jungs spuren. Also jetzt mal im Ernst, und Achtung, ich lass' jetzt einen raus: Unter diesem Trainer, mit Domenico Tedesco, wird Schalke Meister. Da lege ich mich fest.


Quelle: teleschau – der Mediendienst