Das "Filmdebüt im Ersten" erzählt von drei Freunden, die als katholische Priester arbeiten: Gefängnis-Seelsorger Jakob (Sebastian Blomberg), Sozialer-Brennpunkt-Pfarrer Dominik (gegen den Strich besetzt: Womanizer Kai Schumann aus "Heldt") und Oliver (Jan Messutat), der gerade als Bistumsvertreter Karriere macht. Nach einer gemeinsam gefeierten Heiligen Messe wird Dominik verhaftet. Er soll während einer Jugendfreizeit einen Jungen missbraucht haben. Sein Freund Jakob versteht die Welt nicht mehr.

Nur in der ersten Hälfte von Gerd Schneiders (Buch und Regie) Debütfilm spielt der ehemalige Priesteramtskandidat das Suspense-reiche Spiel mit einem Verdacht: War er's oder war er's nicht? Dies ist die spannendste Phase des Films, der im famosen Sebastian Blomberg ("Zeit der Kannibalen") einen starken Hauptdarsteller hat – sich aber auch ins ein oder andere Klischee versteigt.

Slogan- oder Leitartikel-hafte Sprache

Denn als sich andeutet, dass die Vorwürfe gegen Dominik nicht aus der Luft gegriffen sind, wandelt sich das priesterliche Freunde-Drama in einen eher gesellschaftspolitischen Film, der die Schweige- und Vertuschungsmechanismen des katholischen Apparates herauszuarbeiten sucht. Leider geschieht dies ein wenig formelhaft, was sich vor allem in den Dialogen widerspiegelt. Trotz starker Darsteller verspürt man als Zuschauer des Öfteren das Gefühl, etwas Aufgesagtem zu lauschen. Vielleicht, weil die Protagonisten selbst in höchster emotionaler Not eine mitunter Slogan- oder Leitartikel-hafte Sprache pflegen.

Ohnehin wird in "Verfehlung" viel zu viel über Sprache erklärt. Eine leider fast schon chronische deutsche TV-Sünde, die dem Irrglauben aufsitzt, der Kraft der Bilder, der Mimik und der Gesten könne man nicht trauen. Nach seinem Kinostart 2015 wurde "Verfehlung" mit dem Preis des 6. Kirchlichen Filmfestivals Recklinghausen ausgezeichnet und erhielt das Prädikat "besonders wertvoll". Dies darf man wohl vor allem als politische Auszeichnung verstehen. Als Fernseh-Kunstwerk ist das thematisch ambitionierte Drama, welches bereits im September 2016 TV-Premiere bei ARTE feierte, leider ein wenig bieder geraten. Doch weitere Kritiker sahen dies unterschiedlich: "Verfehlung" ergatterte den "Preis der deutschen Filmkritik als bestes Spielfilmdebüt" im Jahr 2016 – eine echt Ansage!


Quelle: teleschau – der Mediendienst