Das Krimi-Drama "Wind River – Tod im Schnee" spielt in einem amerikanischen Indianerreservat und rückt das harsche, perspektivlose Leben der Bewohner in den Fokus.

Moderate Bekanntheit erlangte der Schauspieler Taylor Sheridan in der Rockerserie "Sons of Anarchy". Den großen Durchbruch schaffte der gebürtige Texaner aber erst mit seinen gefeierten Drehbüchern zu Denis Villeneuves Drogenthriller "Sicario" und David Mackenzies Neo-Western "Hell or High Water". Inzwischen gilt Sheridan als eine spannende neue Stimme des US-amerikanischen Kinos, was er auch mit dem eisigen Krimidrama "Wind River" unter Beweis stellt. Für den in einem Indianerreservat spielenden Film schrieb er nicht nur die Vorlage, sondern übernahm außerdem die Regiearbeit. Nun zeigt das ZDF das Drama erstmals im Free-TV.

Konzipiert als finales Kapitel einer Trilogie ("Sicario" und "Hell or High Water" bilden die ersten beiden Stufen) über moderne amerikanische Grenzen, wartet "Wind River" mit einem ebenso imposanten wie beklemmenden Einstieg auf: Inmitten einer endlos wirkenden Schneelandschaft rennt eine junge Frau barfuß um ihr Leben. Einige Tage später wird der staatlich eingesetzte Jäger und Fährtenleser Cory Lambert (Jeremy Renner) auf ihre Leiche aufmerksam und erkennt, dass es sich bei der vergewaltigten Reservatsbewohnerin um eine Freundin seiner vor drei Jahren unter ungeklärten Umständen ermordeten Tochter handelt. Nicht zuletzt deshalb ist der schweigsame Wildhüter bereit, die FBI-Agentin Jane Banner (Elizabeth Olsen) bei ihren Nachforschungen zu unterstützen.

"Wind River" – so auch der Name des real existierenden Indianerterritoriums – beginnt wie ein klassischer Whodunit, also mit der Frage, wer für den schrecklichen Tod der 18-jährigen Natalie (Kelsey Asbille) verantwortlich ist. Krimikonventionen interessieren Sheridan jedoch nur am Rande. Vielmehr dient ihm der nicht gerade raffinierte, wenig wendungsreiche Ermittlungsplot, um sich eingehender mit Land und Leuten zu befassen. Immer wieder verschluckt die gewaltige Kulisse des weiten, winterlichen Wald- und Bergpanoramas die klein und bedeutungslos erscheinenden Figuren.

Das Reservat zeigt der Regisseur als trostlosen Ort, voller kaputter Menschen, desillusionierter Eltern ohne Kontakt zu ihren Kindern und Jugendliche, die fehlende Perspektiven mit Drogen und kriminellen Machenschaften bekämpfen. Eine auf dem Kopf stehende US-Flagge lässt erahnen, dass der viel beschworene amerikanische Traum hier schon lange keine Wurzeln mehr schlägt. Wut, Verzweiflung und Resignation liegen ständig in der Luft und schaffen ein gefährliches Klima, in dem Gewalt gut gedeihen kann.

Dass ihm die Protagonisten und ihre inneren Dämonen wichtig sind, unterstreicht Sheridan auch am Beispiel des Fährtenlesers, dem Jeremy Renner genau die richtige Mischung aus Verletzlichkeit und Härte verleiht. Lambert, dessen Ex-Frau (Julia Jones) selbst dem Reservat entstammt, hat den Tod seiner Tochter noch lange nicht verwunden, ist jedoch ein Kämpfer und schenkt Natalies tief getroffenem Vater (Gil Birmingham) in einer besonders emotionalen Szene auf leise, aber berührende Weise Trost.

Einen gezielten Bruch mit dem lange Zeit bedächtigen Erzähltempo betreibt "Wind River" auf der Zielgeraden, wo es zu mehreren krassen Gewaltexplosionen kommt. An dieser Stelle zeichnet Sheridan möglicherweise mit etwas dicken Pinselstrichen, zeigt so allerdings sehr anschaulich, dass männliche Frustrationen, Langeweile und Isolation ein tödliches Gebräu ergeben können.

2017 wurde "Wind River" auf den Filmfestspielen von Cannes ausgezeichnet. Sheridan durfte sich über den Regiepreis Prix de la mise-en-scene in der Sparte Un Certain Regard freuen.

Wind River – Tod im Schnee – Mo. 30.12. – ZDF: 22.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH