Das starbesetzte Drama "Der Club der singenden Metzger" erzählt die Geschichte eines jungen Schwaben, der nach dem Ersten Weltkrieg im wilden Westen sein Glück sucht.

Bereits 2003 erschien in den USA der Roman "The Master Butchers Singing Club" von Louise Erdrich. Die Autorin, deren interessantes Familienerbe halb indianisch, halb deutsch ist, erzählt darin die Geschichte ihres Ahnen Fidelis Waldvogel, der nach dem Ersten Weltkrieg aus dem Schwäbischen in die USA auswanderte. Ein klassischer Wirtschaftsflüchtling, würde man heute sagen. Daheim gab es schon mehr als genug Metzger, also wurde der Sohnemann, gespielt von "Deutschland 83/86"-Star Jonas Nay, mit einem Satz Messer plus dem Koffer voller Würste (zur Eigenwerbung) in die USA geschickt. Als das Geschäft des herzensguten Schwaben, der sich mit dem Englischen lange schwertut, gut läuft, holt er seine Frau Eva (Leonie Benesch, "Babylon Berlin") und deren Baby nach, das von seinem im Schützengraben gefallenen Freund stammt. Fidelis hatte ihm zu dessen letzten Atemzügen geschworen, sich um Eva und ihr Kind zu kümmern.

Während sich die Waldvogels in der fremden Welt aus Wüste, einem schnell aus Brettern zusammengezimmerten Städtchen und vielen seltsamen Menschen im wilden Westen zurechtzufinden versuchen, erzählen Roman wie auch der Film von Altmeister Uli Edel ("Christiane F.", "Der Baader Meinhof Komplex") parallel von zwei weiteren Protagonisten: Auch die Hamburger Zirkusartistin Delphine (Aylin Tezel) und ihr Vater, der saufende Clown Robert (Sylvester Groth), hat es in die USA verschlagen. Als Delphine den gutaussehenden Indianer Cyprian (Vladimir Korneev) kennenlernt, werden sie nicht nur Partner auf der Zirkusbühne, sondern entwickeln auch eine private Beziehung. Irgendwann finden die beiden Geschichten zusammen. Ein dreistündiges Filmepos mit viel tragischem Leben, aber durchaus magischen Momenten nimmt seinen Lauf.

"Der Club der singenden Metzger", den die ARD zum Jahresende mit seinen 180 Minuten am epischen Stück zeigt, könnte die Zuschauerschaft durchaus spalten: Die Deutschen als arme ausgewanderte Würste unter Cowboys und Indianern – kann das ästhetisch funktionieren? Dank überzeugender schauspielerischer Leistungen des gesamten Ensembles und der schönen Kamera von Hannes Hubach ("Schweigeminute") nimmt man dem Film seine reichlich melodramatische Geschichte irgendwie ab. Eingestreute Erzählmomente mit magischem Realismus dürften den ein oder anderen Zuschauer stören, ebenso wie die Tatsache, dass einige Handlungsstränge in eine andere Richtung laufen, als es der klassische Kitschfilm – in diese Kategorie darf man "Der Club der singenden Metzger" durchaus sortieren – normalerweise vorsieht.

Auch aufgrund seines interessanten Settings – Deutsche als steife Fremdlinge in einer Welt der "Artenvielfalt" – ist der Film durchaus interessant. Wie sich jene fühlen, die alles zurücklassen müssen, um in einer fremden Welt neu anzufangen, daran kann man nicht oft genug erinnern. Vor allem, wenn man sich über die Perspektive deutscher Auswanderer im klassischen Unterhaltungsfernsehen prima in diese Problematik einfühlen kann.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH