Zum ersten Mal schippert "Das Traumschiff" mit seinem neuen Kapitän Florian Silbereisen durch die Weltmeere. In der ersten Folge mit Silbereisen ist die Promi-Dichte so hoch wie wohl nie zuvor. Die Besetzung brachte dem ZDF viel Kritik ein.

Immer schön, wenn man einen neuen Job mit ein bisschen Rückenwind beginnen kann. Andererseits: Wenn's einem leicht gemacht wird, ist es ja auch keine Kunst. Beinahe beispiellos ist das Maß an Misstrauen und Abneigung, das Florian Silbereisen vor seinem Debüt als "Traumschiff"-Kapitän Max Parger entgegenblies. Nicht alleine aus den berüchtigten sozialen Medien, nein, auch aus dem Kreise der Kollegen und Vorgänger an Bord. "Fehlbesetzung", schnarrte die vormalige Chefstewardess Heide Keller unverblümt aus dem Unruhestand. Zu jung, zu unerfahren, nicht vom Fach – es ist eine treffliche Idee des Stammautors Jürgen Werner, die Kapitänsfigur bei der Premierenfahrt nach Antigua mit vielen jener Vorwürfe zu konfrontieren, die auch der Darsteller erdulden musste.

Erstmals in der Geschichte des ZDF-Traditionsdampfers hat der Schiffsführer einen Gegenspieler im Team. Staff-Kapitän Martin Grimm (Daniel Morgenroth), in der letzten Folge eine Art Interimslösung nach dem Abgang von Kapitän Victor Burger (Sascha Hehn unversöhnlich: "Zum Schluss wurden die dramaturgischen Fehler unerträglich"), durfte sich selbst Hoffnungen auf das ranghöchste Amt an Bord machen. Bis kurz vor Auslaufen träumt der graumelierte Seemann von der Kapitänskajüte, da entert ein lässiger Jungspund mit Leichtmatrosenattitüde die Kommandobrücke.

Klar, dass keine Zeit vergeudet wird, ehe das erste Kompetenzgerangel ausbricht. "Ruder fünf Grad Backbord!", ordert der Neue den Touristenkreuzer durch eine gefährlich seichte Stau-Umfahrung. Der Staff-Kapitän ist dem Herzkasper nahe: "Wir haben noch vier Meter unterm Kiel. Dreeeei Meter. Zwo Neunzig! Zwo Achtzig!!!" Käpt'n Parger zuckt leichten Mutes die Schultern. Näher kann eine "Traumschiff"-Folge dem Katastrophen-Thriller nicht kommen. Schon gar nicht in dieser Besetzung.

Florian Silbereisen war fraglos gut beraten, die Kritik an seiner fehlenden Schauspielexpertise mit rhetorischer Demut zu parieren. Ganz unvorbereitet wirkt er an neuer Wirkungsstätte nicht. Zumindest scheint er viel Energie darauf verwendet zu haben, das lässige Auf- und Absetzen einer Sonnenbrille einzuüben. Sogar eine von ihm selbst gedrehte Helden-Stunt-Szene wurde eingebaut (Regie: Berno Kürten). Und das Schauspiel? Nennen wir es doch wohlwollend authentisch! Von seinen Ansagen bei den "Festen der Volksmusik" unterscheidet sich der Rededuktus des volkstümlichen Unterhalters auch im Filmdialog nicht wesentlich.

Sarah Lombardi, Joko Winterscheidt und natürlich Harald Schmidt

Das fügt sich nicht schlecht ein in das Flair einer "Traumschiff"-Folge, die wahrscheinlich die höchste Promi-Dichte aller Zeiten aufweist. ProSieben-Moderator Joko Winterscheidt gibt als verpeilter Kapitänsbruder den lustigen Schiffstrottel. DSDS-Gewächs Sarah Lombardi spielt ein singendes Zimmermädchen, das diesmal nicht von Dieter Bohlen, sondern vom musikalischen Schiffsarzt Dr. Sander (Nick Wilder) entdeckt wird. Auch Harald Schmidt ist als schwäbelnder Kreuzfahrtdirektor Schifferle mit von der Partie. Seit 2008 sonnt sich der frühere Late-Night-Gigant auf dem Achterdeck in genügsamer Selbstironie. Wenn es beim "Traumschiff" den Promi-Sündenfall gibt, dann geschah er schon damals.

"Ich hätte mir gewünscht, dass man mit dem Erbe von Wolfgang Rademann klüger und liebevoller umgegangen wäre", ätzte Heide Keller, fast 30 Jahre lang als Chefhostess Beatrice die gute "Traumschiff"-Seele, im Vorfeld des Silbereisen-Debüts gegenüber "Gala". Es müsse ein Wunder geschehen, dass die Reihe des 2016 verstorbenen Kultproduzenten Rademann "wieder gut wird". Schließlich sei es ihr "ein Rätsel, dass man Schauspieler, die sich einen Namen erarbeitet haben, nicht mehr bevorzugt, sondern sich nun der Prominenz der Yellow Press bedient. Sarah Lombardi? Die kenne ich überhaupt nicht!" Man durfte zuletzte viel lernen über den Berufsstolz, der auch und gerade in den seichteren Abteilungen der Schauspielbranche herrscht.

Immerhin zwei "echte", sogar sehr namhafte Schauspieler wurden für den CO2-haltigen Trip zum Karibikstaat Antigua auch eingekauft. Uschi Glas und der Berliner Großgrantler Michael Gwisdek kalauern einer verpatzten Goldhochzeit entgegen. "Ick muss mal", laviert sich der schlurfende Senior immer dann aus der Affäre, wenn er die aufgekratzte Proseccolaune seiner Gattin nicht mehr aushält. Was ziemlich oft geschieht. Von Gwisdek lernen, heißt, das Leben meistern lernen.

Ganz so leicht wird der neue Mann auf der Kommandobrücke nicht mehr aus der Verantwortung kommen. Schon am Neujahrstag geht es für Käpt'n Flori in seiner zweiten "Traumschiff"-Folge nach Kolumbien. Diesmal mit weit weniger Prominenz im Schiffsbauch, sieht man von Ex-Fußballtorwart Roman Weidenfeller in einer sportiven Kleinstrolle ab. Im "Traumschiff"-Making-of, das ab 23.15 Uhr den Kreuzfahrtabend am zweiten Weihnachtstag im ZDF rundet, gibt es von Harald Schmidt weise Worte mit ins Reisegepäck: "Ich glaube, dass es ein sehr kluger Schachzug war, Florian als Kapitän zu engagieren, aber dass es im Großen und Ganzen das 'Traumschiff' bleiben muss, wie man's kennt." – Dann mal immer eine Handbreit Schauspielkunst unterm Kiel!


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH