Seit 2003 spielte Uwe Kockisch den Commissario Brunetti aus der "Donna Leon"-Reihe. Beim Abschied deckt er noch einmal einen Umweltskandal in Venedig auf.

Da wird man jetzt doch ein paar Krokodilstränen verdrücken dürfen: Die Folge "Stille Wasser" ist der letzte Fall für Commissario Brunetti. Schade drum, werden die einen sagen, denen schon beim Schwenk über die Lagune zum schrillen André-Rieu-Walzer das Herz aufging, weil sie sich wieder einmal auf alte Bekannte freuen durften. Auf Guido Brunetti, seit 2003 in 22 Folgen von Uwe Kockisch mit der Mühsal und der Würde eines von Gesetzesübertretern geplagten Kommissars gespielt, auf seine Frau Paola (Julia Jäger), aber auch auf die Quälgeister von der "Questur", auf Michael Degen als Vize-Questor und auf den allzeit servilen Sergente Vianello (Karl Fischer, jüngst im Wiener "Tatort" aufgeschienen) und natürlich auf Signorina Elettra (Anett Renneberg), die immer wieder die Recherchen vorantrieb, wenn sie sich nicht gerade ihre Finger lackierte.

Die Handlung der – wegen der zahlreichen Venedig-Perspekiven – als "touristischer Krimi" gebrandmarkten Reihe, in der sämtliche Rollen deutsche Schauspieler spielten, war nicht immer zum Bersten mit Spannung erfüllt. Aber es gab auch immer wieder aufregende Motive: Falsche Familienerben, die Korruption alteingesessener Familien und Umweltskandale spielten eine wichtige Rolle in der dem Untergang geweihten Stadt auf den Pfählen. Doch die Stärke der Reihe lag ja im Comichaften, im Spiel mit Prototypen und Klischees. Zuletzt gab es allerdings weniger Witz und Ironie, Müdigkeit machte sich schon länger breit, wie es schien.

Im 26. Fall muss sich der beurlaubte Brunetti unentwegt seiner Herzkrankheit erwehren. Nur anfänglich geht es ihm wirklich gut, weil er sich auf Vermittlung seiner Frau Paola in einer idyllisch gelegenen Privatpension auf der Gemüseinsel Sant' Erasmo vor Venedig einquartiert hat, um Erholung zu finden. Doch die Idylle wird gestört, als ein heimischer Bienenzüchter neben seinem gekenterten Boot tot im Wasser liegt. Weil viele tote Bienen in ihren Stöcken liegen, ist sehr bald klar, dass alles auf Pestizide und einen Umweltskandal hinauslaufen wird. Wie der aber, weit zurückliegend, zustande kam, das zu entschlüsseln ist dann doch eher eine mühsame Geschichte um einen Großkonzern, der petrochemischen Giftabfall gesetzwidrig entsorgte.

Nicht zuletzt, weil Kockisch die Krankheit des vom Dienst freigestellten Kommissars mit höchstem Einfühlungsvermögen zu spielen sucht und ihn die Umgebung, vom freundlichen Sergente bis hin zur mahnenden Kardiologin, immer aufs Neue daran erinnert, dass er sich schonen müsse, schleppt sich dieser letzte Fall arg dahin. Das alles trotz schönster Venedig-Bilder zu Wasser und aus der Luft, diesmal auch mit viel Grün in den Gärten. Ein unspektakulärer Abgang, einmal mehr inszeniert von Sigi Rothemund, der auch fast alle anderen Filme solide und wiedererkennbar drehte.

Zum Ende haben sich Mitte November die Produktionsfirma UFA Fiction und ARD Degeto bei allen Beteiligten herzlich bedankt, allerdings auch zu den Gründen geschwiegen. An der mittlerweile 77-jährigen Donna Leon kann es eigentlich nicht gelegen haben, zwei neue Venedig-Krimis sind inzwischen wieder erschienen. Keinen der Filme, bis auf einen vor sehr langer Zeit, hat sie je gesehen und beschieden, dass es "eine andere Art der Unterhaltung" sei, von der sie nichts verstehe. Von Beginn an habe sie sich deshalb in die Produktionen nicht eingemischt. Wie ihre Bücher wurden auch die Filme in Italien nicht verbreitet. "Sehr deutsch" und "sehr erfolgreich" nannte sie die Autorin. Ein durchaus sibyllinisches Lob.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH