Volkmar Stenzel, dem Filialleiter einer Bank, droht die Entlassung. Er entschließt sich, Menschen und Einrichtungen, die das Geld wirklich brauchen, noch schnell ein paar Kredite zu gewähren.

Wer zählt all die Weihnachtsgeschichten, die in diesen Tagen das Fernsehprogramm füllen? Meist werden dabei harte Herzen erweicht – und am Ende kennt der Jubel unterm Christbaum keine Grenzen. Der Degeto-Weihnachtsfilm "Stenzels Bescherung" aber ist da durchaus anders. Zwar gibt es den Weihnachtsjubel hier auch, aber er kommt auf leisen Sohlen. Garant dafür, dass sich Nächstenliebe und harte Wirklichkeit eher dezent vermischen, ist in diesem Falle Herbert Knaup. Er spielt mit viel bürokratischer Zuverlässigkeit einen Bankbeamten, dem gerade der Sessel unter dem Allerwertesten weggezogen wird. Seine Firma soll von einer asiatischen Großbank übernommen, die Filiale geschlossen werden.

Es wird zur Gewissheit, als zu asiatischen Hintergrundklängen ein Schnösel von der "Kreativbank" (mit Zentrale in Singapur) einer Limousine entsteigt und alsbald alle Unterlagen einzusehen droht. Schlecht für Herrn Stenzel (Knaup), der gerade unerlaubter Weise ein paar kurzfristige Kredite vergeben hat. Stenzel ist kein Weihnachtsmann, der mit Geschenken um sich wirft, sondern penibler Verwalter von "ruhenden Konten" unauffindbarer, weil verstorbenen Erben. Doch nun ändert sich alles.

Eine Kita, die unbedingt umgebaut werden muss, wird zuerst bedacht. Bald kommen andere Hilfsbedürftige hinzu: Der Besitzer einer Autowerkstatt braucht dringend eine Hebebühne, der Bäcker eine neue Teigmaschine. Stenzel lässt sich breitschlagen – unter der Bedingung, dass die Nachbarschaftskredite spätestens zu Weihnachten, in wenigen Wochen also, zurückzuzahlen sind. Singapur soll ja nichts merken.

Es wird also recht eigentlich auf kleiner Sparflamme spendiert, selbst für die von der eigenen Frau angemahnte Nordlandreise zum fälligen Dienstschluss hebt Stenzel nur das Notwendigste für den Kauf des Campers ab. Dass das alles aber schiefgehen wird, weiß der Zuschauer bereits zu Beginn, als er den Camper von Polizeistreifen umzingelt sieht, auf verschneiter Straße irgendwo in Schweden.

Stenzels gute Taten werden von der ARD als Widerstand gegen die Globalisierung gelobt und als heldenhaftes Werk eines Kleinstadt-Robin-Hoods. Doch sein Tun wirkt eher unscheinbar und sehr natürlich – es geht ihm bloß ums Überleben. Das macht diesen Stenzel als Weihnachtshelden so sympathisch. Bei all dem Understatement darf dann auch mal eine geläuterte Witwe sein, die mit ihrem prallen Konto die Nachbarn retten will. Und selbst die kleine Straßensängerin (Anna Fischer als kesses Brandenburger Gör), die mit seiner Hilfe ein Star werden will, wird so erträglich. – Selten hat sich einer sein weihnachtliches Happyend derart redlich verdient wie hier der wunderbare Herbert Knaup.


Quelle: teleschau – der Mediendienst