Fritz Karl spielt in der modernisierten Fassung von Fontanes Klassiker "Unterm Birnbaum" einen Mann, der aus Liebe und Verzweiflung zum Mörder wird. Ein gefundenes Fressen, wie der Vollblutschauspieler im Interview betont.

Ob Junkie, Opernsänger oder Gerichtspsychologe, ob Drama, Liebeskomödie oder Krimiserie – es gibt kaum eine Rolle, kaum ein Sujet, in dem Fritz Karl bislang nicht überzeugen konnte. Ohnehin ist der vielseitige Österreicher, der spätestens 1998 durch seine Auftritte in der Serie "Julia – Eine ungewöhnliche Frau" im gesamten deutschsprachigen Raum bekannt wurde, aus dem deutschen Film und Fernsehen nicht mehr wegzudenken. So verwundert es nicht, dass der 52-Jährige, der laut eigener Aussage "gern und viel" hierzulande arbeitet und Deutschland als seine "Arbeitsheimat" bezeichnet, auch für die Verfilmung von Theodor Fontanes "Unterm Birnbaum" besetzt wurde. In der modernisierten Fassung des Romanklassikers, die das ZDF zum 200. Geburtstag des Schriftstellers am Montag, 30. Dezember, um 20.15 Uhr, ausstrahlt und bei ARTE bereits am Freitag, 27. Dezember, als Vorpremiere läuft, spielt Fritz Karl an der Seite von Julia Koschitz die männliche Hauptrolle. Und wie bei eigentlich fast jeder Darbietung läuft Karl, der seit Kurzem mit seiner Partnerin, der Schauspielerin Elena Uhlig, und den vier gemeinsamen Kindern in München lebt, auch als Abel Hradschek zu schauspielerischer Höchstform auf. Unsere TV-Kritik zu "Unterm Birnbaum" lesen Sie hier.

prisma: Herr Karl, was war Ihr erster Gedanke, als man Sie gefragt hat, ob Sie in der Produktion "Unterm Birnbaum" mitmachen wollen?

Fritz Karl: Schicken Sie mir das Drehbuch! (lacht) Es ist schon eine tolle Geschichte, und ich fand das eine unglaublich interessante Figur.

prisma: Sie spielen den männlichen Hauptpart, der aufgrund seiner wirtschaftlichen Not gemeinsam mit seiner Frau zum Mörder wird.

Karl: Ja, natürlich ist auch dieses psychologische Korsett, diese Situation, in der sich diese zwei Menschen befinden, dass sie gemeinsam einen Mord begehen, am Ende aber selbst daran zerbrechen, sehr reizvoll. Eine Rolle zu spielen, die so zerrissen ist, das ist schon ein Leckerbissen.

prisma: Was war die Herausforderung dabei?

Karl: Jede Figur braucht ihre eigene Vorbereitung, es ist ja nicht so, dass es hier ein Patentrezept gibt. Jede Figur ruft nach etwas, verlangt dir etwas anderes ab. Sei es, dass du einen Beruf lernst – das war hier nicht der Fall, da meine Eltern ein Wirtshaus hatten und ich in der Gastronomie groß geworden bin. Hier ging es eher darum, dass man in seiner Psyche diese Situation hervorkramt: Wann war ich in Not, wie ging es mir da?

prisma: Können Sie es nachvollziehen, dass der Mann so weit geht und einen Menschen umbringt?

Karl: Ich habe das ja gespielt, ich muss es also nachvollziehen können. Das heißt aber nicht, dass ich persönlich auch so handeln würde. Es gibt immer noch die Option, zu verkaufen oder in die Insolvenz zu gehen. Aber dadurch, dass die Frau, die er wirklich tief liebt, sagt: "Lieber bringe ich mich um, bevor ich auf der Straße lande und arm bin", wird Abel zum Mörder. Es gibt Menschen, die so agieren, die andere Realitäten und Möglichkeiten ausblenden. Wenn das nicht so wäre, dann hätten wir nicht so viel Mord und Totschlag auf dieser Welt.

prisma: Sie sind Ihrer Frau zuliebe Anfang des Jahres nach München gezogen – war es eine große Umstellung vom Landleben in Österreich in die Großstadt?

Karl: Gar nicht. Ich kenne München, habe schon viel hier gearbeitet. Ich mag die Stadt irrsinnig, es ist einfach hervorragend hier. Ich mag die Mentalität, ich mag die Küche. Man ist ja sofort in der Natur, wenn man rausgeht an den Flaucher und noch weiter die Isar rauf, das ist wie in Alaska, und das alles mitten in der Stadt. Welche Stadt hat das schon zu bieten, das ist schon toll. Und dann kommt mir einfach auch die Nähe zu Österreich entgegen.

prisma: Sie leben mit Ihren vier Kindern in der Stadt, Ihr jüngster Spross ist noch nicht einmal zwei Jahre alt. Sowohl Sie als auch Ihre Frau sind beide berufstätig – wie managen Sie das?

Karl: Ohne unsere Kinderfrau würde das nicht funktionieren. Der Rest bedarf guter Organisation. Das Chaos überwiegt (lacht) ... Aber wir versuchen, es zu kontrollieren.

prisma: Was wollen Sie Ihren Kindern für die Zukunft mitgeben? Welche Werte wollen Sie Ihnen vermitteln?

Karl: Dass sie selbstbestimmte Menschen werden, die Verantwortung übernehmen, sich selbst gegenüber, aber auch anderen und der Natur. Hilfsbereitschaft, Neugierde, Offenheit und Respekt sind auch wichtig.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH